FeedGoldau
ErdkundeBrockhaus 1882

Goldau, ein Weiler in der Gemeinde Arth des Meers Kantons Schwyz, liegt 526 m über dem eere, 2½ km südöstlich von Arth an der Gotthardbahn und der Bergbahn Arth-Rigikulm in dem Lreiten Thale zwischen dem Rigi und dem Roß- oder Ruffiberge und ist bekannt durch den ungeheuern Bergschlipf, der 1806 das ehemalige Dorf G. und den Thalgrund zwischen den beiden Bergen begrub. Der Roßberg besteht aus dicken Nagelfluhbänken, die, mit Thon⸗, Mergel- und Sandsteinschichten wechselnd, 20—30 gegen SSoO. geneigt sind. Durch zahlreiche senkrechte Spalten in der obersten, 30 m dicken Nagelfluhschicht drang das reichliche Schnee⸗ und Regenwasser jenes Jahres durch die Nagelfluh bis auf ein 2—3 m mächtiges Mergellager ein und durchweichte dasselbe. Nachdem schon einige Tage sich eine Bewegung im Boden des Abhangs gezeigt hatte, öffnete sich am 2. Sept. bald nach 4 ü abends quer über den Berg eine mächtige Spalte, das unterhalb befindliche Berggehänge geriet in gleitende Bewegung und gegen 5 Uhr stürzte die Felsmasse der obersten Schicht, in Tausende von kolossalen Blöcken zerschellend, mit einem mal zu Thal. Die Gewalt der stürzenden Massen war so groß, daß viele Blöcke Dpen an den Abhang des gegenüberliegenden Rigi hinaufgeschleudert wurden. Der Schutt, dessen Volumen auf etwa 15 Mill. Kubikmeter geschätzt wird, schoß strahlig auseinander. In wenigen Minuten waren die Dörfer G., Busingen, Röthen gänzlich, Lowerz teilweise verschüttet, ein Teil des Lowerzsees ausgefüllt und durch plötzliches Übertreten des Wassers das Land bis nach Seewen hin verheert. Zwei Kirchen, 111 Nieh und 15 220 Scheunen und Ställe mit vielem Vieh und 457 Menschen wurden unter Erdschutt und Felstrümmern begraben. Nur wenige von den Bewohnern, welche der Zufall im Augenblicke des Bergsturzes von der Unglücksstätte entfernt gehalten, konnten das nackte Leben retten. Auch eine zahlreiche Gesellschaft Reisender, welche im Begriff stand, den Rigi zu besteigen, wurde an der goldauer Brücke vom Verderben ereilt. Der Schaden an Gebäuden, Wiesen und Wäldern betrug über 2 Mill. Fl. Das Zerstörungsgebiet, eine zum Teil mit Gras, Moos und Wald überwachsene Steinwüste mit 30 — 70 m hohen Trümmerhügeln, umfaßt etwa 20 akm. Mitten in demselben liegen die Station G. der Gotthard- und der Arth-Rigibahn und eine 1849 errichtete Kapelle. Alljährlich am 2. Sept. wird in Arth zur Erinnerung an die KSchuttzeitoein Gottesdienst abgehalten. Vgl. Zay, (G. und seine Gegendo (Zür. 1807); Heim, «über Bergstürzer (Zür. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 159Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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