Granulation, in der pathol. Anatomie die Bezeichnung für alle körnchenähnlichen Gebilde des Körpers; vorzugsweise aber für die Bildung der sog. Fleischwärzchen auf Wunden und Geschwüren, durch welche die Heilung der letztern bewirkt wird. Die ganze Fläche eines Geschwürs besteht aus zahllosen G. oder Fleischwärzchen (granula), kleinen körnerartigen oder warzenähnlichen, wie rohes Fleisch aussehenden Gebilden, welche aus überaus zarten neugebildeten Haargefäßen und jungem zellenreichen Bindegewebe bestehen. Das Aussehen dieser G. läßt einen Schluß zu auf die Beschaffenheit des betreffenden Geschwürs oder Substanzverlustes. Die gesunden G. sind fleischrot, mit einer dünnen Schicht gelben, rahmartigen Eiters bedeckt und füllen in raschem Wachstum den Substanzverlust aus. Haben die G. das Niveau der umgebenden Teile erreicht, so überziehen sie sich in den meisten Fällen von dem Geschwürsrande aus mit Haut und verwandeln sich allmählich in Binde- oder Narbengewebe (s. Narbe); in andern Fällen wuchern sie über das Niveau empor (wildes Fleisch, caro luxurians) und müssen dann durch einen Druckverband oder durch ätzende Substanzen (Höllenstein, Kupfervitriol) in ihrem Wachstum aufgehalten werden. Werden die über das Niveau emporragenden Geschwürsgranulationen von ihrer Umgebung eingeschnürt, wie es z. B. bei den sog. eingewachsenen Nägeln der Fall, so ist das Geschwür in seiner Heilung behindert, und man muß den G. durch Wegschneiden der Umgebung (3. B. Beschneiden des Nagels) Platz machen, ehe man den Druckverband anlegt. Das Geschwür befindet sich in keinem guten Zustande, wenn die G. blaß und schlaff aussehen und mit einem dünnen, grauen Eiter bedeckt sind. Oft tritt diese Beschaffenheit auf, wenn die allgemeine Gesundheit des Kranken gestört ist; in andern Fällen hat diese schlechte Beschaffenheit ihren Grund in rein örtlichen Dingen und kann durch Reizmittel, feuchtwarme überschläge u. s. w. gehoben werden. Wegen der freien Lage der zarten Blutgefäße bluten die G. sehr leicht und müssen daher vor Verletzungen geschützt werden. (S. Geschwür.) Bei der granulierten Augenentzündung oder dem Trachom treten die kleinen Drüsenbläschen (Follikel), welche in der Augenbindehaut verborgen liegen, stark als kleine Knötchen und Bläschen hervor und geben dieser ein körniges Ansehen (trachomatöse Augenentzündung). Die gewöhnlichsten Fälle stellen nur eine leichte Erkrankung dar; bei der bösartigen granulösen Augenentzündung, wie sie namentlich häufig in Kasernen, in Lagern und Schulen auftritt, geht in sehr vielen Fällen durch Trübung und Vertrocknung der Hornhaut die Sehkraft verloren. — Auf der weichen wüchse, bilden sich sehr häufig warzenartige Auswüchse, die einzeln oder in traubenartigen Undeln die harte Hirnhaut durchbohren und selbst in der knöchernen Schädeldecke Vertiefungen und Löcher machen; sie werden Pacchionische Granulationen genannt. Dieselben treten meist erst nach der Geschlechtsreife auf, brauchen Jahre zum Wachstum und sind ohne Bedeutung für die Gesundheit. (S. unter Gehirn, sowie die Tafel: Gehirn des Menschen, Fig. III, 9.) Weiterhin nimmt bisweilen, namentlich bei Säufern, die Oberfläche der Leber durch Schwund eines Teils ihrer Gewebselemente eine höckerige Beschaffenheit an, sodaß es aussieht, als ob die Oberfläche aus lauter kleinen, den Köpfen von Schuhzwecken ähnlichen Höckern zusammengesetzt wäre (sog. S chuhzweckenleber, granulierte Leber oder Lebercirrhose). Ein ähnlicher Zustand kommt auch an der Niere vor. Diese Gewebsveränderungen bewirken Zerstörung der absondernden Drüsen und führen dadurch früher oder später zum Tode.