FeedAfterbildungen
HeilkundeBrockhaus 1882

Afterbildungen (Pseudoplasmen) hat man im allgemeinen diejenigen krankhaften Neubildungen im tierischen und menschlichen 1Uñenannt, durch welche etwas dem Körper scheinbar emdartiges in Form und Lage erzeugt wird. Es können diese Gebilde aus Geweben bestehen welche schon im Körper vorhanden sind und si nur in ungewöhnlicher Weise oder am unrechten Orte anhäufen, oder aus Geweben, die im Körper bei normalen Zuständen nicht existieren und sch scheinbar erst ganz neu erzeugen, obgleich sie si von normalen Geweben ableiten lassen. Die A. ersterer Art beruhen häufig nur auf sog. Hypertrophie, d. h. auf ungewöhnlicher Ausbildung der normalen Gewebe an einem Orte, und es ist dann oft schwer, die Grenze zwischen stärkerer Ausbildung und krankhafter Afterbildung zu ziehen. So sind z. B. die Schwielen an der Hand des Arbeiters nur Hypertrophien der Oberhaut, erzeugt durch den Druck, gehen aber durch unmerkliche Grenzen in die Leichdörner und Krähenaugen, die man als wirkliche A. betrachtet, über. Andererseits bildet sich oft ein Gewebe an der Stelle eines andern, z. B. Knochen an der Stelle der Knorpel im Alter, Fett an der Stelle von Muskeln. Es können sich diese Gewebe oft so häufen, daß große Geschwülste und A. daraus hervorgehen, wie z. B. Balggeschwülste. Beim Heilungsprozeß von Wunden oder sonstigen Krankheiten können häufig inheher der fortgesebten plastischen Thätigkeit A. entehen, wie z. B. Knochenauswüchse heh Brüchen. Die A. endlich im engern Sinne, welche heterogene, im Körper sonst nicht vorhandene Gewebselemente enthalten, wie namentlich Krebs und Markschwamm, gehören zu den bösartigen Geschwülsten, während die andern A. meist gutartig und gewöhnlich durch Operation zu beseitigen sind.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 200Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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