FeedGummosis
HeilkundeBrockhaus 1882

Gummosis oder Gummifluß nennt man in der Botanik eine krankhafte Erscheinung, die sehr häufig an Obstbäumen, besonders am Steinobst, wie an Kirsch⸗, Pflaumen⸗, Aprikosenbäumen u. s. w., auftritt und deren Symptome darin bestehen, daß größere Mengen von Gummi an die Oberfläche treten und hier zu einer meist braunen, durchscheinenden oder auch durchsichtigen Masse erhärten, oft auch als eine zähflüssige Masse sich ansammeln. Dabei tritt als . Huenen 2 ein kränkliches Aussehen der von G. befallenen Aste auf, welches darauf hindeutet, daß durch die abnorme Bildung des Gummi dem betreffenden Teile notwendige Nährstoffe entzogen werden. Es entsteht nämlich das ausfließende Gummi nicht etwa in Gummigängen (s. d.), sondern wird durch Desorganisation der Zellwände gebildet. e bedte bei denjenigen Pflanzen, die Gummigänge besitzen, das in denselben enthaltene Gummi als normales Produkt entweder als Nährstoff oder als ein bei dem Ernährungsprozeß gebildetes normales Sekret anzusehen ist, hat man es bei der G. mit einer krankhaften Umbildung der Cellulose zu thun, die zur Zerstörung der von ihr ergriffenen Zellen führt. Diese Veränderung der Zellwände kann sowohl im Holz als auch in der Rinde stattfinden; sie beginnt damit, daß die dem Lumen der Zellen zunächst liegenden Partien stark aufquellen und schließlich ganz verschleimt werden; der Verschleimungsprozeß teilt sich dann auch den übrigen Partien der Zellwand mit, sodaß nunmehr statt der frühern Zelle eine Gummimasse vorhanden ist. Da nun diese Umbildung sich nicht auf einzelne Zellen beschränkt, sondern größere Helsruppen ergreift, so werden oft ziemlich umfangreiche Höhlungen im Innern des Baums mit Gummi erfüllt; das Gummi dringt dabei in die benachbarten Zellen ein und erfüllt dieselben vollständig, sodaß auch diese in ihren Funktionen gestört werden. Am häufigsten und reichlichsten findet die Gummibildung bei den genannten Steinobstarten in der Rinde statt; es werden dabei nicht nur die dünnwandigen parenchymatischen Zellen, sondern auch die stark verdickten Bastzellen in Gummi verwandelt; dieselbe Umbildung erfahren auch die Stärkekörner, die im Inhalt der Zellen vorhanden waren. Wird zugleich auch die Cambiumschicht, in welcher das Dickenwachstum stattfindet, zerstört, was bei weiterm Umsichgreifen der G. in der 15 eintritt, so kann natürlich an der betreffenden Stelle kein jährlicher Zuwachs mehr gebildet werden und die Rinde stirbt infolge dessen ab. Im Holz findet ebenfalls eael Gummibildung statt, doch it dieselbe in der Regel nicht so reichlich wie in der Rinde; gewöhnlich werden hier zunächst die Holzparenchym⸗, Markstrahlen⸗ und Libriformzellen davon ergriffen, das hier gebildete Gummi dringt dann in die Gefäße ein und verstopft dieselben. Der Holzkörper nimmt dabei eine braune Färbung an, während er im gesunden Zustand weiß oder gelb erscheint. Die Ursache der G. ist nicht mit Sicherheit anzugeben, jedenfalls wirken mehrere Faktoren mit, um diesen krankhaften Desorganisationsprozeß hervorzurufen; äußere Verwundungen, die zugleich eine Schwächung der Vegetation zur Folge haben, sowie mangelhafte Ernährung geben häufig die Veranlassung zur G. Im allgemeinen scheint die G. am leichtesten dort einzutreten, wo ein allmähliches Erlöschen der Lebensthätigkeit, mag dieses nun durch hohes Alter oder durch andere Ursachen herbeigeführt sein, bemerkbar wird. Als Gegenmaßregeln werden gewöhnlich angegeben: das Zurückschneiden der kranken Äste bis zu den gesunden Partien; das Versetzen der Bäume in andern, ihnen mehr zuträglichen Boden, wenn die Krankheit durch mangelhafte Ernährung hervorgerufen wurde; auch das sog. Schröpfen, welches darin besteht, daß man Längseinschnitte in die Rinde macht, wird als Mittel empfohlen, um den Baum wieder zu neuer Lebensthätigkeit und zur Bildung kräftiger Triebe anzuregen. Außer an den genannten Obstbäumen kommt die G. hauptsächlich noch an mehrern Acacia- und Astragalusarten vor. Im wesentlichen sind die Krankheitserscheinungen hier dieselben wie bei den Obstbäumen, das Gummi tritt durch die Risse der Borke oder bei Verwundungen nach außen und erhärtet hier zu tropfen⸗, krusten-oder fadenartigen Massen. Es ist ebenfalls ein Produkt der Desorganisation der Zellwände und jedenfalls eine pathol. Erscheinung, denn die Acacia-Arten, welche z. B. das Arabische Gummi und das Senegalgummi liefern, liefern in normalem Zustande gar kein Gummi; bei den Astragalusarten, von denen das Traganthgummi stammt, scheinen künstliche Verwundungen die Veranlassung zur G. zu geben; denn es wird von Reisenden angegeben, daß man zum Zwecke der Traganthgewinnung in Kleinasien Einschnitte in die Stengel der Pflanzen macht oder durch weidende Herden Verletzungen an den Pflanzen herbeizuführen sucht. (Vgl. Astragalus und Gum mi sarabischesl.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 624Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Heilkunde 6