FeedGüßfeldt (Paul)
AllerleiBrockhaus 1882

Güßfeldt (Paul), wissenschaftlicher Reisender, geb. 14. Okt. 1840 zu Berlin, studierte nach Absolvierung des Gymnasiums 1859 — 65 Naturwissen⸗ — — und Mathematik zu Heidelberg, Berlin, Gießen und Bonn. Er habilitierte sich 1868 zu Bonn als Docent der Mathematik und machte 1870 —71 als Freiwilliger den Feldzug nach Frankreich mit. Hierauf trat er als Chef der ersten von der Afrikanischen Gesellschaft in Deutschland ausgerüstesten Expedition nach der Loangoküste seine erste größere Reise an. Andere Mitglieder dieser Expedition waren der Dr. med. Falkenstein, der Botaniker Soyaux, der Techniker Lindner, der Naturforscher Pechuel-Lösche. G. beteiligte sich persönlich mit einer großen Summe, und Bastian ging auf eigene Kosten dorthin. Auf der Hinreise erlitt G. 14. Juni 1873 Schiffbruch bei Freetown; sonach konnte er erst 25. Juli bei Banana am Congo landen, wo er dann mit Bastian die erste Station Tschintschotscho, etwa 100 Km nördlich vom Congo, gründete. Alle Versuche, ins Innere vorzudringen, scheiterten indeß infolge der Unbrauchbarkeit und des Ungehorsams der als Träger gemieteten Neger; und obwohl man zuletzt 100 derselben von Benguela hatte kommen lassen, welche geeigneter sein sollten, mußte dennoch das Unternehmen aufgegeben werden, und G. schiffte sich 5. Juli 1875 wieder nach Europa ein. Reiche Sammlungen, magnetische, meteorolog., anthropolog. Beobachtungen, kartogr. Niederlegung der besuchten Region u. s. w. sind die erlangten wissenschaftlichen Früchte dieses Unternehmens. Im März 1876 unternahm G. mit Schweinfurth eine Reise durch die östl. Wüste Agyptens, auf welcher er die Position von 20 Punkten festlegte und magnetische Beobachtungen und Höhenmessungen machte. Im Sept. 1882 begab sich G. nach Südamerika zur Erforschung der centralen chileno-argentin. Andesgruppe. Er entdeckte im Ursprunge des Cypressenthals (34 30“ südl. Br.) ein weites Gletschergebiet, überschritt den Kamm der Andes an vier verschiedenen Punkten, erreichte 19. Jan. 1883 ganz allein den höchsten Kraterzacken des Vulean Maipo (5400m) und entdeckte einen Weg zu der Spitze des höchsten Bergs der Andes, des Aconcagua (nach G.s Messungen 6970 m hoch), den er bis zur Höhe von 6400 m erstieg (21. Febr. 1883). Im April und Mai 1883 besuchte G. das bolivianische Hochland und kehrte im Juli 1883 nach Europa zurück. Er ist Generalsekretär der Gesellschaft für Erdkunde in Berlin. Mit Falkenstein und Pechuel-Lösche bearbeitete G. das Reisewerk »Die Loango-Expeditiono (Lpz. 1879 fg.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 636Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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