FeedGuttapercha
PflanzenreichBrockhaus 1882

Guttapercha, Gutta Tuban, Gummi Gettania, plastisches Gummi, ein dem Kautschuk nahestehendes Harz, welches in Form von mikroskopisch kleinen, klebrigen Kügelchen in dem Milchsaft von Isonandra Gutta Hooher, eines zu den Sapotaceen gehörenden, auf Singapore, Borneo, Sumatra, im südl. Malakka wachsenden Baumes vorkommt. Die G., seit langer Zeit von den Eingeborenen Singapores zu allerlei Gerätschaften verarbeitet, ist seit 1843 durch den schott. Arzt W. Montgomerie und gleichzeitig von Jozé d'Almeida in Europa bekannt geworden. Zur Gewinnung des Milchsafts werden die Bäume jetzt angezapft und der ausfließende Saft in aus den Schalen der Kokosnüsse angefertigten Gefäßen esammelt. Früher fällte man die Bäume der eichtern Arbeit wegen und vernichtete so ein oft hundertjähriges Wachstum, um dafür etwa 10 kg G. zu erhalten, während man bei dem jetzt durch die englische G.⸗Handelsgesellschaft eingeführten Verfahren des methodischen Anzapfens jahraus jahrein eine Ernte von demselben Baum erzielt. Beim en hör Stehen des Saftes vereinen 10 die einzelnen Körner des Harzes zu einer plastischen Masse, die durch Kneten homogen gemacht und dann an der Sonne getrocknet wird. Teils durch Zuschungsmit teils aber auch wohl als Verfälchungsmittel kommen Unreinigkeiten, als Sand, Erde, Baumrinde, Holzteile u. s. w. in den Saft oder in die noch weiche Harzmasse. Die rohe G. des Handels bildet meist unregelmäßig viereckig gestaltete Blöcke von etwa 10 kg Gewicht, außen rötlich braun gefärbt, auf der üht ich se heller, weißlich bis bräunlich, sie fühlt sich fettig an, von eigentümlichem Geruch. Die Masse ist durch eingeknetete und ihr fest anhängende Luftbläschen mehr oder weniger porös und schwimmt daher auf Wasser, während sie im sorgfältig gereinigten Zustande schwerer als Wasser ist. Bei gewöhnlicher Temperatur ist die G. zäh, lederartig, läßt sich aber leicht schneiden, wenig und immer nur in einer Richtung elastisch, während sie beim Dehnen in der entgegengesetzten Richtung zerreißt. Beim Erwärmen, am besten durch Eintauchen in warmes Wasser, erweicht sie bei 48 C., bei 55 — 60 erlangt sie einen hohen Grad von Bildsamkeit und läßt sich zu allen möglichen Formen pressen oder zu dünnsten Blättern auswalzen. Bei der Temperatur des siedenden Wassers schmilzt sie zu einer schmierenden, zu Fäden ausziehbaren Masse, die bis etwa 150° unverändert bleibt, dann aber unter Bildung eines öligen Destillationsprodukts zersetzt wird. G. ist unlöslich in Wasser, Alkohol, Ather, fetten len, sie widersteht der Einwirkung der meisten Säuren, selbst der Flußsäure, und der Alkalien, nur von konzentriertester Schwefelsäure und Salpetersäure wird sie zerstört; leicht löslich ist sie in Schwefelkohlenstoff und Chloroform, etwas schwerer löslich in Benzin, Terpentinöl, Petroleum, ein vorzügliches Lösungsmittel ist das bei der trockenen Destillation der G. gewonnene Ol. G. ist einer der schlechtesten Leiter der Elektricität und wird wegen dieser Eigenschaft mit günstigstem Erfolg zur Isolierung elektrischer Leitungen, Kabeldrähte u. dgl. verwandt. Sie wird durch Reiben negativ elektrisch. Beim Liegen an der Luft und namentlich bei Einwirkung von Licht und Feuchtigkeit wird sie allmählich brüchig, spröde, läßt sich pulvern und wird dann löslich in Alkohol und Ather. Diese Umwandlung vollzieht sich langsam, von außen nach innen fortschreitend, und gleichzeitig damit wird sie dann beim Reiben positiv elektrisch. Befreit man ein Stück teilweis veränderte G. auf der einen Seite durch Waschen mit Ather von dem Umwandlungsprodukt, so zeigt diese Seite beim Reiben negative Elektricität, während die andere positiv elektrisch wird. Beim Erhitzen mit Schwefel zeigt sie dasselbe Verhalten wie der Kautschuk, sie wird vulkanisiert (s. Gummi, elastisches) und bei höherer Temperatur in eine hornähnliche Masse, die sich drehen, bohren, polieren läßt, verwandelt. Nach den bisher ausgeführten Untersuchungen scheint die G. ein Gemenge von drei Körpern zu sein, die als Gutta, Alban und Flua vil bezeichnet sind. Die Gutta, ein dem Kautschuk gleich zusammengesetzter Körper CeHI9, bildet stets die Hauptmasse, die beiden andern scheinen durch Oxydation aus dieser hervorgegangen zu sein; auch kommen verschiedene Farbstoffe in der G. vor. Bei der Verarbeitung wird die G. auf mechan. Wege zunächst von den beigemengten Verunreini-Shnen befreit. Zu diesem Behuf wird sie in einer chneidmaschine zu dünnen Spänen zerteilt, die unter kräftiger Bewegung in anfangs kaltem, dann allmählich erwärmtem Wasser gewaschen und weiter zerrissen werden, wobei sich Sand, Erde und Sonstiges abscheidet. Die so gereinigte Masse wird in Knetmaschinen einer starken Bearbeitung unterogen und dann in warmem, plastischem Zustand in Bonmen gepreßt, in Röhren gezogen oder zu mehr oder minder dicken Blättern ausgewalzt oder auf leiche Weise wie Kautschuk zum Vulkanisieren oder ärten vorbereitet. Unter dem Namen gereinigte Guttapercha oder Gutta percha deépurata kommt ein Produkt im Handel vor, welches von Zahnärzten zum Ausfüllen hohler Zähne, deren Beschaffenheit ein lombieren nicht mehr zuläßt, verwandt wird. ur Darstellung wird 1 Teil G. in 20 Teilen Benzin durch warme Digestion gelöst, der Flüssigkeit setzt man als Klärmittel gebrannten Gips oder gepulverten Thon zu, durchschüttelt damit kräftig und läßt dann zum Klären ruhig stehen. Die klare Flüssigkeit wird mit einem Heber von dem Bodensatz getrennt und mit ihrem doppelten Volum Alkohol von 90* Tr. vermischt, wodurch reine Gutta gefällt wird, während sonstige Materie und Farbstoffe gelöst bleiben. Der von der Flüssigkeit getrennte Niederschlag wird mit Alkohol gewaschen, darauf in siedendem Wasser zusammengeknetet und bei mäßiger Wärme zu dünnen Stangen ausgerollt. Die Stängelchen werden am besten bis zum Gebrauch unter Wasser bewahrt, um sie vor der Einwirkung der Luft zu schützen. Die so gereinigte G. ist fast weiß, mitunter durch Zusatz von etwas Karmin rötlich gefärbt; in warmem Wasser erweicht, besitzt sie den höchsten Grad von Plasticität. G. findet die verschiedenste Verwendung und wird entweder für sich oder zusammen mit Kautschuk wegen ihrer Bildsamkeit und Zähigkeit zu allen denkbaren Formen gepreßt; man macht davon Schnüre, Röhren, Feuereimer, Schuhsohlen, Treibriemen für Maschinen, Instrumente für chirurgischen Gebrauch, ferner Messerhefte, Bilderrahmen u. s. w. Wegen ihrer großen Bildsamkeit ist sie ein vorzügliches Material zur Herstellung von Matrizen von Holzschnitten, guillochierten Platten u. s. w., in welchen diese auf galvanoplastischem Wege vervielfältigt werden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 653Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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