FeedHarnvergiftung
HeilkundeBrockhaus 1882

Harnvergiftung oder Harnstoffvergiftung des Blutes (Uraemia) tritt ein, wenn die Absonderung des Harns durch die Nieren unterbrochen wird und dadurch gewisse schädliche Auswurfsstoffe, insbesondere der Harnstoff, im Blute zurückgehalten werden, und kommt am häufigsten bei der Brightschen Nierenkrankheit, bei manchen akuten Infektionskrankheiten und bei der Eklampsie der Gebärenden zur Beobachtung. Die Symptome bestehen außer mehr oder minder vollständiger Harnverhaltung und vorausgegangener Albuminurie (s. d.) in Kopfschmerzen, Schwindel und Angstgefühlen, Erbrechen und Übelkeit, wozu sich meist sehr bald Schlafsucht, Delirien und tiefe Betäubung, allgemeine Krämpfe oder lähmungsartige Zustände gesellen; dabei nehmen der Schweiß und das Erbrochene oft einen deutlich urinösen Geruch an und die Haut ist nicht selten von einem zarten weißlichen reifähnlichen Beleg von Harnstoff bedeckt. Die H. tritt in den meisten wem ziemlich plötzlich ein und führt gewöhnlich nach wenigen Stunden oder Tagen durch Gehirn⸗ oder Lungenlähmung zum Tode; nur leichtere Grade der Krankheit gehen zuweilen in Genesung über. Die Behandlung uhren in Anwendung stark harntreibender und abführender Mittel, Eisumschlägen auf den Kopf und oft wiederholten feuchten Einpackungen des ganzen Körpers.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 859Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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