Hartmann (Richard), Maschinenbauer und einer der bedeutendsten Industriellen Deutschlands, geb. 8. Nov. 1809 zu Barr bei Straßburg als Sohn eines Weißgerbermeisters, lernte als Zeugschmied, arbeitete dann als wandernder Gesell in Mannheim, Neustadt a. d. H. und Jena, und kam um 1830 nach Chemnitz. Hier trat er bei dem Beründer der chemnitzer Maschinenindustrie, C. G. Haubold, als Gehilfe in Arbeit, wurde bald Accordmeister für den Krempelbau, machte sich aber 1837 selbständig. Mit nur drei Arbeitern begann H. den Bau von Maschinen für Baumwollspinnerei. Namentlich seit 1840, als die Vorspinnvorrichtungen in der Streichgarnspinnerei das Lockensystem verdrängten, nahm das Geschäft zu. Im J. 1845 siedelte H. mit 350 Arbeitern in ein neues Fabrikgebäude in der Leipziger Straße zu Chemnitz über und errichtete 1847—48 auch eine Werkstätte für Lokomotiven⸗ und Tenderbau, nachdem schon mehrere Jahre vorher besondere Abteilungen für Eisen- und Metallgießerei, Dampfmaschinen- und Dampfkesselbau begründet worden waren. Im Frühjahr 1855 begann der Turbinen⸗ und Tangentialräderbau, bald darauf der Bau größerer Bergwerksmaschinen, Kunstgezeuge, Bohrapparate, später der Bau der Werkzeugmaschinen u. s. w. Ein Schadenfeuer legte in der Nacht vom 17. auf den 18. Juli 1860 einen großen Teil der Werkstätten in Asche, doch konnte der Betrieb nach sechs Monaten wieder vollständig aufgenommen werden. H.8 Etablissement gestaltete sich zu dem großartigsten und vielseitigsten Institut seiner Art in Sachsen. Die Zahl der Arbeiter betrug etwa 2000, die unter der Leitung von etwa 150 Beamten standen. Das Etablissement lieferte alle in das Maschinenfach einschlagende Gegenstände; 1870 verkaufte H. dasselbe an eine Aktiengesellschaft, die Sächsische Maschinenfabrik zu Chemnitz, welche es noch weiter ausdehnte. H. blieb indes noch bis zu seinem am 16. Dez. 1878 erfolgten Tode in deren Verwaltungsrat thätig.