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Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Lira, in der Mehrzahl Lire (aus dem lat. libra, Pfund), hieß vor 1860 die Geldeinheit nur in den nördlichen ital. Staaten, seitdem aber (Lira italiana) im ganzen Königreich Italien. (Früher war der Edelmetallinhalt einer L. in den einzelnen ital. Staaten verschieden.) Diese L. stimmt mit der im vormaligen Königreich Sardinien seit 1827 auf dem Festland allgemein üblichen Lira nuova oder Lira di Piemonte (seit 1843 auch Geldeinheit der Insel Sardinien) und dem franz. Franc überein; sie wird in 100 Centesimi geteilt. Es gibt in Silber Kourantmünzen zu 5 Lire, Scheidemünzen zu 2 Lire, sowie zu 1 und zu ½ Lira; in Gold Stücke 5, 10, 20 und 100 Lire. Die unter der frühern ranz. Herrschaft in Italien eingeführte Lira italiana (der franz. Franc) erhielt sich auch in Parma und Modena (seit 1809, beziehungsweise 1808) als Lira nuova oder Franco. Im Lombardisch-Venetianischen Königreich wurde von 1824 bis zur Umgestaltung des österr. Münzwesens (1858) nach der Lira austriaca gerechnet, welche dem damaligen ½Konventionsgulden- oder dem 20-Kreuzer-Stück, somit etwa 7 Sgr. preußisch gleichkam. Bei Einführung des Guldens (Fiorino) als Geldeinheit in den ital. Provinzen Österreichs wurden 100 bisherige Lire austriache zu 35 Fiorini oder neuen Gulden gerechnet. Seit Einverleibung der Lombardei (1859) und Venetiens (1866) in das Königreich Italien hat diese Rechnungsweise der nach ital. Lire (Franken) Platz gemacht. (S. Franc und Livre.) Den Namen L. haben noch einige andere Geldeinheiten, beziehungsweise Münzen. In Italien, auf der Insel Malta und in der Levante heißt das engl. Pfund Sterling Lira sterlina oder auch Lira inglese (s. Sterling); die Türkei und Agypten prägen ein Goldstück von w100 Gurusch oder Piastern, welches von den CEuropäern Lira turca, Livre turque oder türk. Pfund, beziehungsweise Lira egiziana, Livre égyptienne oder ägypt. Pfund genannt wird. Die türkische L. oder der Jüslik(s.d.) hat ein Gewicht von 7,216 g und eine Feinheit von 916½/ Tausendteilen, während die ägyptische L. 8,5g schwer und 875 Tausendteile fein ist, sodaß zum Preise von 2790 Mark fur 1 kg Feingold) erstere für 18,455 Mark, letztere aber für 20,751 Mark Feingold enthält. (Vgl. Piaster.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 107Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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