Londonderry oder Derry (von Doire, d. h. Eichenplatz), Grafschaft in der irländ. Provinz Ulster, grenzt im NW. an den 15 km tief eingebuchteten Lough-Foyle, im N. ans offene Meer, im O. an Antrim, im S. an den Landsee Neagh und an Tyrone, im SW. an letzteres, im NW. an Donegal und hat ein Areal von 2113,6 Akm. Eine Bergkette, welche von Magilligan-Point an der Einfahrt des Lough-Foyle südwärts zieht und im Donalds-Hill 400, im White-Mountain 608, im Slieve-Gullion 527 m aufsteigt, teilt die Grafschaft in zwei Teile, den östlichen, mit dem Thale des Bann, und den westlichen, mit den Thälern des Roe, Faughan und Foyle. Das Sperringebirge an der Südwestgrenze erreicht im Sawel 682 m Höhe. Zwei Prnfte des Landes bestehen aus Ebenen und Thäern. Die Berggegenden sind größtenteils wild und unfruchtbar, voll sumpfiger, unzugänglicher Schluchten. Die Haupterzeugnisse sind Hafer, Kartoffeln, dedete Gerste und Weizen. Die Viehzucht ist nicht edeutend. Die Industrie beschränkt sich auf Leinwand⸗ und Baumwollfabrikation. Lachs-und Aalfischerei sind ansehnlich. Die Einwohnerzahl belief sich 1841 auf 222174, 1881 nur noch auf 164714, wovon 45 Proz. katholisch. Die Grafschaft schickt zwei Mitglieder in das Parlament, zwei andere die Städte L. und Coleraine. Die Hauptstadt Londonderry, Muniecipalstadt und Parlamentsborough, an der Belfast and Northern-Eisenbahn, am linken Ufer und 4 Km von der Mündung des für Schiffe von 300 t fahrbaren Foyle in den gleichnamigen Meerbusen gelegen und durch eine 326 melange elegante eiserne Brücke mit der Vorstadt Waterside verbunden, ist der Sitz eines kath. und eines prot. Bischofs und nächst Belfast der bedeutendste Hafenplatz im nördl. Irland. Die Stadt hat seit 1614 bastionierte Mauern, die zu öffentlichen Spaziergängen dienen, und vier breite Hauptstraßen. Die schöne got. Kathedrale von 1633, mit einem hohen Turme und einem Denkmal für Knox, steht auf einem Hügel. Außer mehrern andern Kirchen und Kapellen und einem großen bischöfl. Palast hat L. eine schöne Gerichtshalle mit einem Portikus, ein Stadthaus, ein großartiges Grafschaftsgefängnis, eine Kaserne, ein Kranken⸗, ein Irren⸗-und ein gutes Armenhaus, sowie eine Lateinschule und ein Handwerkerinstitut. Die Stadt zählt (1881) 28 947 E. und hat Brennerei, Brauerei, Gerberei, eine Eisengießerei, Werfte, Leinenproduktion, Salmfischfang und Schiffahrt. — L. ist eine uralte Stadt (546 gründete Columba hier ein Kloster), die oft von Eroberung und Verheerung heimgesucht ward. Namentlich ist die Belagerung von 1690 denkwürdig, welche sie sieben Monate lang unter Bischof Walker und Major Baker gegen die ganze Streitmacht Jakobs II. aushielt und deren Andenken durch einen Triumphbogen und eine 30 m hohe dor. Säule mit der Statue des Bischofs (von 1828) lebendig erhalten wird. Nur 45 km gegen Nordosten entfernt liegt Coleraine (einst Culrathuin), Municipalstadt und Parlamentsborough, an der Eisenbahn, am rechten Ufer und 7 kmeoberhalb der Mündung des Bann, der Schiffe von 200 t bis zur Stadt trägt, die außerdem durch Eisenbahn mit den kleinen Außenhäfen Port-Rush und Port-Stewart (Seebad) verbunden ist. Die Stadt hat ein altes Schloß, 10 Kirchen und Kapellen und zählt (1881) 5899 E., welche Fischfang und Seehandel treiben.