Medaillon (von dem ital. medaglione, große Medaille) heißt in der Sprache der Numismatiker ohne Unterschied jedes Gold⸗, Silber- und Bronzestück von ungewöhnlicher Dimension oder Schwere. Früher hielt man nämlich die antiken Stücke dieser Art für eine besondere, von den Umlaufsmünzen verschiedene Gattung, wie es bei uns die Medaillen sind, und meinte deshalb, sie mit einem eigenen Namen bezeichnen zu müssen. Jetzt aber sieht man darin nur größere Geldstücke, nach Art der modernen Quadrupel oder Doppellouisdor. Die größte Anzahl solcher Prachtstücke findet man in der Folge der röm. Kaisermünzen, und manche derselben sind von beinahe ebenso vortrefflicher Arbeit als die schönsten geschnittenen Steine. Namentlich aus der ersten Zeit der Antonine hat man herrliche Stücke, die ohne Zweifel von den Kaisern an festlichen Tagen, bei Galagelegenheiten, verschenkt, nachher jedoch von den beschenkten Personen in Umlauf gebracht wurden. Es gibt aber auch antike Metall stücke, die keine Münzen waren und als eigentliche M. angesehen werden müssen. Dahin gehören die sog. Contorniaten (Conturniati, s. d.), ferner die unter Konstantin und dessen Nachfolgern geschlagenen großen Gold- und Silberstücke, die, wie bisweilen noch daran befindliche dIhre beweisen, zum Umhängen bestimmt waren und nach Art unserer Ordenssterne auf der Brust getragen wurden. In der heutigen Kunstsprache versteht man unter M. zunächst jedes Relief in runder oder ovaler Form, welches ein Porträt, aber auch einen andern Gegenstand enthalten kann, und sodann ein Miniaturporträt in der gleichen Form. Gewöhnlich aber versteht man unter M. einen meist an einer Kette getragenen Schmuck in Form einer runden oder ovalen Kapsel, welcher ein Porträt oder irgend ein Andenken, z. B. Haare, enthält. Diese Sitte, ein M. zu tragen, stammt aus der Medaillenliebhaberei des 16. Jahrh. (S. Medaille.) Im 18. Jahrh. trug man in diesen Medaillonkapseln sehr häufig kleine Emailgemälde mit religiösen Darstellungen. Gegenwärtig sind diese Schmuckmedaillons ein gesuchter Artikel der Goldschmiedekunst.