Motette (mittellat. motetum, mutetum, provengal. möt, ital. motto, motetto, Wort, Spruch, Bibelspruch) heißt seit dem Mittelalter dasjenige mehrstimmige kirchliche Musikstück, welches entweder für vokale Ausführung allein oder in der ältern Zeit für Singstimmen ohne selbständige Begleitung der Instrumente geschrieben und mit allen Künsten des musikalischen Kontrapunkts ausgestattet ist. In der Periode der Kirchenmusik bis etwa 1650 sind die vorzüglichsten M. geschaffen, namentlich ragen Palestrina und Orlando Lasso durch ihre fünf⸗ und sechsstimmigen Sätze hervor, außer ihnen die Niederländer, H. Schütz u. a. Die eigentliche M. hat selten weniger als vier, oder mehr als acht Stimmen. Die neuern Komponisten befassen sich wenig mit der M.; wo es aber geschieht, da behandeln sie dieselbe meistens in der alten Weise als frei erfundene, fugierte Komposition eines Bibelspruchs fur vier oder mehr Stimmen ohne Begleitung.