Scheitelzelle nennt man in der Botanik eine durch Form und Funktion besonders charakterisierte Zelle, die an den fortwachsenden Organen sehr vieler Pflanzen sich vorfindet. Je nach der Gestalt dieser Organe ist auch die der S. verschieden. Bei den aus einer oder wenigen Zellreihen bestehenden Algenfäden ist in der Regel die S. in Form einer gewölbten Zelle vorhanden, die sich durch senkrecht zu der Achse des Fadens stehende Querwände teilt und so in gewissen Zeiträumen neue cylindrische Zellen den schon vorhandenen hinzufügt. Bei flächenartig ausgebreiteten Gebilden, bei vielen Algen, Lebermoosen, sowie bei zahlreichen Blättern ist die S. keilförmig gestaltet und nach innen zugespitzt, ihre Teilungen folgen in der Weise, daß abwechselnd nach rechts und nach links neue Zellen, sog. Segmente, abgeschieden werden, sodaß immer wieder die ursprünglich vorhandene keilförmige Gestalt erhalten bleibt. Man bezeichnet derartige S., wie sie z. B. bei den thallosen Lebermoosen am schönsten ausgebildet sind, als zweischneidige Scheitelzellen. Bei den Stämmchen der Noose, sowie bei den meisten fortwachsenden Organen der Gefäßkryptogamen haben die S. eine tetraédrische Gestalt, sodaß sie in Form einer dreiseitigen ebs ramide in das Gewebe des Vegetationsscheite hineingeraten, während die vierte 1. 5 nach außen gekehrt und etwas vorgewölbt ist. Bei den Wurzeln werden nach jeder der vier Seiten des Tetraäders abwechselnd neue Segmente durch je eine der betreffenden Fläche parallel verlaufenden Wand gebildet, doch so, daß stets nach außen weniger Zellen Heiels l als an den drei in das Gewebe des Scheitels hineinragenden Seiten. Die erstern, deren Anzahl gering ist, werden als Ka ppenzellen bezeichnet und zur Bildung der Wurzelhaube verwendet. Bei den oberirdischen Organen werden nur an den drei nach innen gelegenen Seiten Segmente abgeschieden. Bei einigen Phanerogamen finden sich gleichfalls derartige tetradrische oder dreischneidige Scheitelzellen, Bei der Mehrzahl derselben, wenigstens bei den Angiospermen, erfolgt das Scheitelwachstum wohl kaum mittels einer einzigen S., sondern es ist hier entweder eine Gruppe von mehrern S. oder eine in lebhafter Teilung begriffene Gewebeschicht vorhanden, die das Fortwachsen der Vegetationsspitzen bedingt. Da die Untersuchung des Scheitelwachstums der Phanerogamen mit mannigfachen Schwierigkeiten verknüpft ist, so lassen die bisher gewonnenen Resultate über das Vorhandensein oder Fehlen von S. an Sicherheit manches zu wünschen übrig.