FeedSchuhs
TechnikBrockhaus 1882

Schuhs oder Stiefels wird das Fahlleder oder Oberleder (s. unter Lederfabrikation) verwendet, wenn nicht Luxusleder, wie Lackleder, Saffian, Maroquin, Corduan, Chevreauxleder, vorgezogen werden. Die einzelnen Bestandteile des Oberteils werden bei Luxusleder fast ausnahmslos nach Schablonen mit dem Messer ausgeschnitten, während man bei der Massenfabrikation, namentlich wenn die Oberteile aus gewebten oder verfilzten Stoffen bestehen, die Formen durch Facçonmesser ausstanzt, wozu besondere Stanzmaschinen im Gebrauch sind. Bevor die gestanzten Stücke aneinander gefügt werden, sind sie je nach Art und Qualität des Materials zu präparieren. Vor allem ist bei den Schäften die Operation des Walkens nötig, wodurch dem Oberleder der Winkel gegeben wird, den die Vorderseite des Beins mit dem Fuß bildet. Ehe man zum Zusammensetzen der Oberteile schreitet, wobei häufig die Kanten umgebeugt werden, sind letztere bei starkem Leder abzuschärfen, wozu das Abschärfmesser dient. Für das nun erfolgende Montieren und Zusammenkleben der Schaftteile, welches zuerst provisorisch mit Kleber- oder Schusterpappe (s. d.) geschieht, gibt es mechan. Vorrichtungen, Pappmaschinen, obwohl auch noch sehr viel mit dem Handpappstempel gearbeitet wird, mittels dessen die geklebten Teile aufeinander festgedrückt werden. Die aneinander geklebten oder gehefteten Teile werden auf Nähmaschinen zusammengesteppt, die nach dem Prinzip der von den Schneidern benutzten Nähmaschinen gebaut sind, nur daß die Unterlägfläche anders geformt ist. Das Werkstück wird auf eine Säule oder einen Arm gesteckt, welcher mit dem Maschinengestell derart verbunden ist, daß man leicht mit jeder hohlen Form unter die Nadel gelangen kann und nicht genötigt ist, die Schäfte umzukrempeln oder breit zu drücken. Sind die Oberteile zusammengenäht, so müssen die Nähte aufgerieben werden, was von Hand oder mittels besonderer maschineller Vorrichtungen ausgeführt wird. Die Knopflöcher werden bei Knopfstiefeln umnäht, Ssen oder Knöpfe befestigt und so die Schäfte fertig gestellt. Die Sohle oder der Boden des Schuhwerks ist meist aus lohgarem Brandsohlen⸗, Vache⸗ oder Sohlleder hergestellt, von denen sich das letztere durch besondere Festigkeit und Dichtigkeit auszeichnet. Es ist derbes Rindsleder, ohne Verwendung von Kalk gegerbt, während das Vacheleder (so genannt, weil anfänglich nur Kuhleder derartig gegerbt wurde) aus den feinsten einheimischen Häuten mit besonders reiner Narbe hergestellt wird. Nachdem die einzelnen Teile ausgestanzt sind, müssen die Sohlen mit dem Riß versehen werden, der die Naht aufnehmen soll; auch sind die Kappen und Brandsohlen abzuschärfen, ehe zum Montieren oder Aufzwicken des Schuhwerks übergegangen werden kann, worauf im Großbetrieb die Sohle derart gewalkt oder gepreßt wird, daß sie ohne Klopfen oder sonstige Manipulationen genau mit dem Oberleder verbunden und im Gelenk die genügende Wölbung zur Aufnahme der Gelenkeinlage erzielt werden kann. Für diese Arbeit wird eine Presse, die Sohlen⸗ [formmaschine, angewendet. Die so weit fertigen Teile werden auf den Leisten gezwickt. Derselbe ist ein aus Holz oder Eisen bestehendes Modell des Fußes, das jetzt meist zweiteilig als sog. Keilleisten ausgeführt wird. Der Keil, d. i. das obere Stück des Leistens, welches schräg auf das untere aufgeschoben wird, paßt genau auf letzteres und bestimmt durch seine Form, ob der Schuh eine hohe Spanne erhält oder nicht. Das Aufzwicken oder Montieren des Schuhwerks, welches eine Hauptoperation der S. ist, besteht darin, daß man das Oberteil oder den Schaft, in welchem die Kappe befestigt ist, über den Leisten steckt, hierauf letztern auf den Leistenhalter schiebt und dann mit kleinen, flachköpfigen Eisennägeln die Brandsohle aufheftet. Zu der Arbeit des Aufzwickens, welche übrigens auch mit der Maschine ausführbar ist, wird die Aufzwickzange verwendet, mittels deren die Stifte gefaßt und eingeschlagen werden. Dieselben dringen an denjenigen Stellen des Leistens ein, wo derselbe mit Blei ausgegossene Löcher besitzt. Ist die Brandsohle aufgeheftet, so zieht man das Oberteil fest über den Leisten und nagelt Ferse und Oberteil an der Brandsohle fest, während sich die Spitzen der Nägel an den Eisenteilen des Leistens umlegen. Hierbei ist das Leder im Gelenk noch besonders kräftig mittels der Gelenkzwickzange zu ziehen. Die früher in die Form gepreßte Sohle wird, nachdem die Bodenfläche mit Kleber bestrichen ist, aufgepreßt und genau aufgearbeitet, sodaß zwischen Sohle und Unterlage kein Hohlraum entsteht; dann wird mit dem Rißöffner der Riß frei gelegt und die Sohle durch einige Zwecken aufgeheftet. Nach dieser Vorbereitung kann das Schuhwerk genäht werden. Geschieht dies von Hand, so bedient man sich zweier gepichter und gewichster Fäden, für welche Stich um Stich mit der Ahle, resp. dem Pfriemen oder Ort vorgebohrt wird; darauf werden die Fäden von den beiden gegenüberstehenden Seiten eingesteckt und durchgezogen, die Naht wird also durch eine doppelte Verschlingung des Fadens hergestellt. Bei der Maschinennäherei wird am meisten der Kettenstich angewendet, da bei diesem ein Aufgehen der Naht nicht zu befürchten ist. Die erste Sohlennähmaschine wurde 1851 in London von James Drew ausgestellt; die jetzt zum nämlichen Zweck zur Verwendung kommenden Maschinen sind derselben im Prinzip gleich geblieben. Wesentliche Verbesserungen zeigen die Maschinen von Lyman Reed Blake und Gordon Mekay. Diese beiden Maschinen nähen durch Sohle, Oberzeug und Brandsohle, stellen daher die durch genähte Arbeit her, welche rationell und einfach, bei guter Ausführung elastisch, haltbar und wasserdicht ist. Eine zweite Art von Schuhwerk ist das genietete. Die vorbereitenden Arbeiten hierfür sind dieselben wie für durchgenähtes Schuhwerk. Nachdem die Schäfte angefertigt, die einzelnen Teile für die Bodenarbeit ausgestanzt und vorgerichtet sind, wird der Schuh wie für die durchgenähte Arbeit auf einen eisernen Leisten aufgezwickt und, wenn die Zwischenräume ausgelegt sind und das Gelenkstück aufgesetzt ist, die Sohle mit eisernen oder messingenen Nägeln, die sich auf dem eisernen Leisten umnieten, aufgenagelt. Das nach dieser Methode angefertigte Schuhwerk hat den Nachteil, daß es schwer ist und steife Sohlen gibt, ein Übelstand, den auch das geschraubte Schuhwerk zeigt, welchem eine dritte Fabrikationsweise zu Grunde liegt. Die zur Herstellung derartiger Schuhwaren dienende Vorrichtung schneidet das Gewinde in den Draht, schraubt denselben in die Sohle und durchschneidet ihn schließlich dicht an der letztern. Eine vierte Methode zur Verbindung von Schuhsohlleder und Oberleder ist diejenige durch Holzstifte (s. d.), die in den vierziger Jahren aufkam und lange Zeit nur in Amerika heimisch war. In Verbindung mit derselben trat die Forderung auf, Maschinen zur Herstellung von Schuhstiften zu konstruieren. Um 1860 etwa wurde in Amerika die erste Schuhpflockmaschine (shoe-pegging machine) erfunden. Dieselbe war für Handbetrieb eingerichtet, lochte die Sohle, fabrizierte die Holzstifte selbstthätig, schlug dieselben in die Löcher fest ein und rückte automatisch um ein Loch weiter. Unter den neuerlich eingeführten Verbesserungen dieser Maschine ist namentlich die in Deutschland erfundene Kühlmannsche Konstruktion zu erwähnen. Den Maschinen für durchgenähte Arbeit ähnlicher sind diejenigen für umgewendete und Rahmenarbeit. Unter diesen ist die wichtigste die Umwende⸗ und Rahmeneinstechmaschine von Goodyear. Zu den auf der Maschine hergestellten Umwendeschuhen, einer Neuerung in der S., gehören im allgemeinen die leichtern Schuharten, wie Tanzstiefel, Turnstiefel, Sommerstiefel. Spezielle Zweige der S. sind die Pantoffelfabrikation, die Fabrikation der Filzschuhe, dieienige der Holzpantoffeln, welche eine Sohle aus Holz haben und nur vorn über dem Fuße mit Leder besetzt sind. Die Huhmabher Holzschuhe werden niemals vom Schuhmacher, sondern vom Holzschnitzer, in neuerer Zeit auf Kopierdrehbänken (. unter Holzbearbeitungsmaschinen, Bd. IX, S. 3520) hergestellt. über die Herstellung der Gummischuhe s. unter Gummiwarenfabrikation, Bd. VIII, S. 623*. Sehuhzwecken, s. Schuhnägel.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 510Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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