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ErdkundeBrockhaus 1882

Severn, bei den Alten Sabrina, hinsichtlich der Größe und Wichtigkeit nach der Themse der zweite Fluß Englands, entspringt in einem kleinen See auf der Ostseite des Plynlimmongebirges in der Grafschaft Montgomery, und führt anfangs bis Llanidloes den alten Namen Hafren. Innerhalb Wales fließt er gegen Nordost über Newtown und Welshpool, wo er 275 km oberhalb seiner Mündung für Barken schiffbar wird, tritt ostwärts in die engl. Grafschaft Shrop, durchströmt dieselbe in südöstl., dann in südl. Richtung die Grafschaft Woreester als ein breiter, tiefer und ruhig flutender Strom und wendet sich endlich in die Grafschaft Gloucester, wo er unterhalb Gloueester bereits unter dem Einfluß der Ebbe und Flut steht. Nach vielen Krümmungen wendet er sich bei Naß-Point südwestlich, bis er bei der Einmündung des Lower-Avon (von Bristol her) seinen Namen gegen den des Bristolkanals (Bristol Channel) vertauscht und weit ausgebreitet sich unbemerkt im Atlantischen Ocean verliert. Bis zur Mündung des Lower-Avon hat der S. eine Länge von 330 km. Seeschiffe von 350 Registertons gehen bis Gloucester, 85 Km oberhalb der Mündung. Die ansehnlichsten Nebenflüsse des an Salmen reichen S. sind rechts: unterhalb Worcester der Teme, der durch seine romantische Scenerie berühmte Wye, welcher für kleine Seeschiffe bis Monmouth (22 km), für Barken bis Hay (115,5 km) fahrbar ist, ferner bei Newport der Usk und bei Cardiff der Taf, dessen Ufer entlang ein 40 km langer Kanal bis Merthyr Tydfil führt. Links münden in ihn der Vyrnwy, Perry, unterhalb Shrewsbury Tern mit Roden, Stour, der Upper-Avon bei Tewkesbury und der Lower⸗-Avon. Durch zahlreiche Kanäle ist der S. mit der Themse, dem Trent, Humber und der Mersey verbunden und bildet so die Pulsader des Schiffahrts⸗ und Handelsverkehrs im südwestl. England. Das ganze weite Thal, welches der S. durchfließt, ist ein Bild natürlicher Schönheit und Fruchtbarkeit. Der schönste Teil desselben liegt zwischen Gloucester und Worcester und heißt vorzugsweise Vall of Severn. Bei Bristol verbindet die beiden Ufer des S. ein unter dem AÄstuarium erbauter Tunnel von 7 km Länge, welcher seit Zon 1886 von der Eisenbahn durchfahren wird. Von diesem Tunnel ist mehr als die Hälfte über 12 mtief unter dem Flußbett gelegen; der Bau des Werks nahm fast 13 Jahre in Anspruch, da gewaltige Hindernisse zu überwinden waren, indem der Schacht unter einem tiefen Meeresarme liegt, welcher sehr starken Sturmfluten unterworfen ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 736Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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