Sydenham, südl. Vorort Londons, 9,5 kKm von der Londonbrücke entfernt und zum Kirchspiel von Lewisham in der Grafschaft Kent gehörend, hat (1881) 26070 CE. und erhielt in neuerer Zeit dadurch Berühmtheit, daß hier das Glasgebäude, welches 1851 für die Weltindustrieausstellung im Hyde-Park diente, zum Nutzen und Vergnügen des Publikums mit entsprechenden Veränderungen und Vergrößerungen wiederhergestellt wurde. Eine besonders dafür gebildete Gesellschaft führte vom Aug. 1852 bis Mai 1854 mit einem Kostenaufwande von 1½ Mill. Pfd. St. den «Krystallpalasto von S. nach den Plänen Joseph Paxtons aus. Das Gebäude erhebt sich auf dem höchsten Hügel einer unebenen Fläche von 120 ha an der London-Brighton-Eisenbahn zwischen den Stationen S. und Anerley. Dieses ganze Areal ist in prächtige Terrassen, Gärten, Parks, Spaziergänge, Seen und Inseln, mit Statuen und Springbrunnen, verwandelt worden. Der neue Bau erhielt die eine Seite des alten zur Hauptfacade, mit zwei Seitenkreuzflügeln so groß, als der ehemalige Hauptkreuzflügel, und einem Mittelschiff mit einem Bogendache von 36 m Spannung und 53 m Höhe. Die größte Längenausdehnung des Gebäudes beträgt 490 m, die größte Breite w120 m. Der sachliche Inhalt des Palastes bietet eine Vertretung der Kunst, Wissenschaft, Industrie und Kultur aller Zeiten und Zonen in so großartiger Weise dar, wie noch nie etwas nur Annäherndes jemals versucht worden ist. Links ziehen sich zunächst am Hauptschiffe histor. Kunsthallen (Courts) hin, die in getreuen Nachbildungen ägypt., assyr., griech., röm., byzant., maur. (Alhambrahof), mittelalterlicher, ital., Renaissance⸗ und neuerer Bauten und Bildwerke die anschaulichste Geschichte der Kulturentwickelung darstellen. Die röm. Baukunst ist durch die Nachbildung eines in Pompesi zu Tage geförderten Prachtpalastes besonders vertreten. Außerdem findet man alle besten Skulpturen der griech., röm., neuern und neuesten Zeit und die reichste Sammlung von Porträts berühmter Männer aller Zeiten in Gipsabgüssen. Den histor. Kunsthallen auf der einen entsprechen die industriellen Hallen auf der andern Seite, architektonisch in verschiedenen Stilen formierte Räume zu Ausstellung und Verkauf. Endlich ist auf den Galerien, deren es drei übereinander im Hauptkreuzflügel gibt, noch der „Völkerbazars. Durch das gewölbte, 490 m lange Hauptschiff verteilen sich botan., zoolog. und ethnol. Gruppen, welche durch die Art der Vegetation, der Tiere und Menschen und ihrer Lebensweise die verschiedenen Zonen, Klimate, Völker und Rassen veranschaulichen. Auch die Geologie, Wassertiere, in antiseptischen Flüssigkeiten dargestellt, Rohprodukte, neue Erfindungen u. s. w. sind in besondern Abteilungen vertreten. Die Wärme für Pflanzen und Menschen wird aus dem Paxton-Tunnel (wo auch ausgestellte Maschinen arbeiten) durch ein 80 km langes Röhrensystem verteilt. Im Hauptkreuzflügel springt die große Fontäne inmitten einer reichen Blumenwelt und der berühmtesten kolossalen Skulpturen (der Sonnenrosse des Praxiteles aus dem Vatikan u. s. w.). An beiden Enden treten große Flügel hervor, zwischen denen und dem Hauptgebäude an Loher Ende des letztern, doch isoliert, ein 86 m hoher Glasturm aufgeführt ist. Der eine dieser Türme dient als Hülle für den seinen Rauch selbst konsumierenden Schornstein der Dampfmaschine, welche die Wasserkünste im Park und Palast treibt, während der andere ein Pumpwerk enthält. Der östl. Turm st dem Publikum geöffnet, und von seiner nach außen offenen Galerie enießt man eine unvergleichliche Aussicht über London und seine Umgebungen. Außer durch seinen Inhalt und seine Lage zieht der Krystallpalast auch durch öffentliche Ausstellungen aller Art, sowie durch vorzügliche musikalische Aufführungen das ganze Jahr hindurch eine beträchtliche Menschenmenge an. S. selbst ist durch den Palast eine glänzende Stadt von Villen, Tavernen und Hotels geworden. Am 30. Dez. 1866 legte eine Feuersbrunst den wertvollsten Teil des Palastes, die tropische Abteilung, in Asche, wodurch eine reiche Sammlung von seltenen Tieren, Pflanzen und Kunstschätzen vernichtet wurde; doch begann sofort wieder die Restauration des abgebrannten Teils. Aus der reichen Litteratur über den Krystallpalast sind neben dem «Offcial guider (3 Bde., Lond. 1854 u. öfter) zu nennen die Prachtwerke: Views of the Crystal Palace and Parko (Lond. 1854), und Cundall, Works of art in the Crystal Palaces (Cond. 1855).