FeedSunderland
VerkehrBrockhaus 1882

Sunderland, Municipalstadt, Parlamentsborough und bedeutender Seeplatz in der engl. Grafschaft Durham und 20 km nordöstlich von Durham, südlich an der Mündung des Wear in die Nordsee, durch zahlreiche Zweiglinien der North-Castern-Eisenbahn mit dem Eisenbahnnetze des nördl. England verbunden, bildet mit dem dicht anliegenden Wearmuth oder Bishop Wearmouth und dem am linken oder nördl. Ufer des Wear gelegenen, als Vorstadt geltenden Monk-Wearmouth-Shore eine einzige Stadt mit (1881) 116262 E. Die Altstadt, nach dem Hafen zu, hat enge, schmutzige Straßen; der neuere Teil ist gut und geschmackvoll gebaut. S. besitzt 72 Kirchen und Dissenterskapellen, zwei Synagogen, ein Lyceum, mehrere stark besuchte Lancasterschulen, ein Athenäum mit Museum, ein Theater, eine Börse, eine Handelsbank, Kasernen, ein großes Kranken⸗ und ein Versorgungshaus. Das merkwürdigste Bauwerk ist die 1793—96 aufgeführte, durch ihre Kühnheit und Festigkeit berühmte Kettenbrücke uüber den Wear. Dieselbe schwebt an zwei, aus Ziegelsteinen erbauten Pfeilern 32,m hoch über dem Flußspiegel, hat eine Spannung von 74, m und ist so breit, daß sie eine Fahrbahn von IUm und auf jeder Seite noch einen besondern Weg für bren mire darbietet. Die größten Seeschiffe fahren mit aufgespannten Segeln darunter hinweg. Der Hafen wird von der Flußmündung gebildet, und sein Eingang liegt zwischen zwei langen Molen. Zur Erleichterung des Seeverkehrs, namentlich der Kohlenverschiffung, sind an der Küste südlich vom Wear eine ganze Reihe Docks erbaut, darunter die neuen mit einer Wasserfläche von 7,3 ha. S. ist der Hauptsitz des brit. Schiffbaues und beschäftigt gegen 40 Werfte. Außerdem hat S. ausgedehnte Glasfabrikation, bedeutende Fabriken für irdene Waren, Hüte, Segeltuch, Kettenkabel, Anker und andere Schiffsutensitien, Reepschlägereien, Seilerbahnen, Vitriolwerke, Eisen⸗ und Messinggießereien, Sägemühlen, Gerbereien, Brauereien und Kalkbrennereien. Sie ist Sitz eines deutschen Konsulats für S. und Seaham Harbour. In der Nähe befinden sich Marmorbrüche und reiche Steinkohlenlager, unter denen die Monk-Wearmouthgrube eine der bedeutendsten ist. Wearmouth oder Bishop Wearmouth hieß in angelsächs. Zeit Wiranmutha, auch Egfrides mynster oder Cegferther mynster.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 374Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Verkehr 6