Texas, der südwestlichste und größte der Vereinigten Staaten von Amerika, liegt zwischen 257 50 und 36 30 nördl. Br. und 93 30“ und 106 40˙ westl. L., wird begrenzt im N. von Neumexiko und dem Indian Territory, im O. vom Indian Territory, von Arkansas und Louisiana, im SO. vom Golf von Mexiko, im SW. von Mexiko und im W. von Neumexiko, hat 688 343 qkm und zählte 1850 erst 212592, 1870 schon 818579 und 1880 bereits 1591749 E., von denen 837 840 männliche und 753909 weibliche, 35 347 Deutsche, 393384 Farbige, 992 Indianer und 136 Chinesen waren. Das Gebiet des Staates bildet seinem größten Teile nach eine ungeheuere, im allgemeinen von NW. gegen SO. geneigte Ebene und zerfällt hinsichtlich seiner Oberflächenbeschaffenheit in drei Regionen: 1) Das Küstenland, eine angeschwemmte, 50 — 170 km breite Niederung, die, wasserreich, aber nicht morastig, an den Flußufern schmale Streifen Waldland, dazwischen weites, im Frühjahr meist sehr nasses Prairieland mit überaus üppigem, für den Anbau von Zucker, Reis und Baumwolle geeignetem Boden hat und am Meeresufer selbst von einem Gürtel langgestreckter, dünenartiger Inseln und Landzungen, die eine Menge Stromlagunen einschließen, sowie von Sandbänken umgeben wird und deshalb keine guten Häfen besitzt. 2) Das sanftwellige Hügel⸗ und Prairieland, welches in einer Breite von 250—320 km allmählich sich hinter dem Küstenstreifen erhebt und den schönsten Teil des angebauten T. begreift, wo fruchtbare Savannen mit einzelnen, jedoch im östl. Abschnitt sehr bedeutenden Waldungen wechseln, zahllose Quellen und Bäche den grünen Blumenpark durchziehen, während nur der Landstrich zwischen dem Nueces und Rio Grande eine wasserarme Wüste bildet. 3) Das Hochland, ein weites Plateau, in welches die zweite Region nach und nach übergeht, und welches als die östl. Fortsetzung des großen Tafellandes von Neumexiko den innersten nordwestl. Teil des Staats bildet, keine höhern Gebirgsketten trägt, eigentlich nur durch die Eintiefung enger Thäler und Schluchten eine unebene Oberfläche erhält, großenteils wohl bewässert, metallreich und mit Eichen⸗, Fichten⸗ und Cedernwaldungen bestanden ist, zwischen denen sich Thäler mit dem fruchtbarsten, jeder europ. Kultur fähigen Boden ausbreiten, zum Teil aber auch felsig und kahl erscheint und zwischen dem Rio del Norte und Rio Pecos als eine völlig wasserlose, mit Kakteen und Artemisien bedeckte Wüstenei auftritt. T. zählt viele zum Teil ansehnliche und schiffbare Flüsse. Der größte davon ist der Rio Grande del Norte (s. Norte) an der West⸗ und Südgrenze, der hier den Rio Pecos aufnimmt. Außer ihm sind noch anzuführen: der Nueces, der in die Corpus Christi-Bai mündet, der San-Antonio, der Guadalupe, der Colorado (s. d.), der Brazos, der Trinity, der Neches, der Sabine an der Ostgrenze, der Red River an der Nordgrenze und der Canadian im Nordwesten, der in den Arkansas mündet. Das Klima ist in der Küstenniederung heiß, feucht und ungesund, in der mittlern Region mild und gesund, auf dem Hochlande schon rauher, jedoch den europ. Körperkonstitutionen um so zusagender. Ackerbau und Viehzucht sind die Hauptbeschäftigung der Bewohner. Im J. 1885 wurden 84 406 000 Bushel Mais, 6117000 Bushel Weizen und 14212000 Bushel Hafer gezogen; auch Baumwolle und Tabak wird gewonnen. In 2996 industriellen Etablissements (1880) waren 12159 Arbeiter beschäftigt. Der Handel hat bedeutend zugenommen, und Fleisch werden Baumwolle, Vieh, Wolle, Häute und Fleis exportiert. T. hat 13 National⸗ und 105 Staatsbanken, erstere hatten 1½„ letztere nahezu 4 Mill. Kapital. Im J. 1885 waren 15248 km Eisenbahnen im Betrieb. Von religiösen Genossenschaften sind die Katholiken, Methodisten und Baptisten am zahlreichsten. Erstere haben 104 Kirchen und 120 000 Mitglieder. Für das Schulwesen wird seit einigen Jahren viel gethan. In Austin befindet sich eine Staatsuniversität, in Galveston die St. Mary's University, in Georgetown die Southwestern-University. Außerdem gibt es 2 Staatsseminare, 1441 öffentliche Schulhäuser mit 6369 Lehrern, mehrere theol. Seminare, 1Ackerbauschule, 1Taubstummen- und 1 Blindenanstalt. Von 279 Zeitungen und Zeitschriften erscheinen 31 täglich. Seit dem 29. Dez. 1845 ist T. ein Staat. Die alle 2 Jahre zusammentretende Legislatur besteht aus 31 auf 4 Jahre gewählten Senatoren und 106 auf 2 Jahre gewählten Repräsentanten. Die Staatsbeamten werden auf 2 Jahre gewählt. Zum Kongreß schickt T. 2 Senatoren und 11 Repräsentanten. Der Staat wird in 173 Counties (Grafschaften) eingeteilt. Die politische Hauptstadt ist Austin (s. d.), die bedeutendsten Städte sind: Galveston (s. d.), San⸗-Antonio (s. d.), Houston (s. d.), Dallas (s. d.), Waco (7295 C.), Port Worth (6663 E.), Sherman (6093 E.), Marshall (5624 E.), Brownsville (4939 C.) und Breuham (4101 E.). La Salle war der erste Europäer, der 1685 den Boden von T. betrat. Im J. 1690 errichteten die Spanier eine Mission, welche jedoch bald aufge eben werden mußte. Im J. 1816 gründeten di Franzosen eine Ansiedelung, wurden aber von der Spaniern vertrieben. Im J. 1820 erhielt de Amerikaner Moses Austin von den Spaniern ii Mexiko eine große Landschenkung, und nach und nach wurden unter immer vergrößertem Zuströmer von Ansiedlern aus den Vereinigten Staaten sehr große Strecken kolonisiert. Als die Mexikaner diese Ansiedler bedrückten, erklärten dieselben (1835) ihre Unabhängigkeit. In dem nun folgenden Kampfe erlitten die Mexikaner bei Jacinto eine Niederlage. Im J. 1845 wurde T. von den Vereinigten Staaten annektiert, die Folge war der mexikan. Krieg. (S. Mexiko.) Im J. 1860 erklärte sich T. zu Gunsten der Sezession, wurde 1870 wieder in'die Union aufgenommen und nahm 1876 eine neue Konstitution an. Ein besonderes Interesse hatte das Schicksal der deutschen Einwanderung in T. erweckt. Schon 1823 legte Baron von Bastrop eine Niederlassung am Colorado an, welche nicht gedieh. Im Anfang der 40er Jahre sandte der Mainzer Adelsverein Einwanderer nach T. Prinz Karl von Solms-Braunfels übernahm 1844 die Leitung der Kolonie, legte Neubraunfels an, stieß aber auf so viele Schwierigkeiten, daß er die Kolonie verließ. Sein Nachfolger, Freiherr von Meusebach aus Potsdam, kaufte den Indianern einen bedeutenden Landstrich ab. Nunmehr kam ein neuer Zug von mehrern tausend Auswanderern an, die jedoch durch Mangel an Geld, die Ungunst der rtlichkeit, den mexikan. Krieg und Krankheiten in die traurigsten Verhältnisse gerieten. Meusebach legte 1847 seine Mission nieder und 1848 verabschiedete auch der mainzer Verein alle seine Beamten und Agenten in T. und überließ sein Eigentum daselbst dem Advokaten Martin aus Freiburg. Das Unternehmen war also völlig gescheitert. Kein besseres Los hatten die 1848 unter Cabot (s. d.) angelegten Ikarier. Vgl. Römer, Texaso (Bonn 1850); Olmsted, A saddle trip through 1.5 (Reuyork 1857; deutsch, 3. Aufl., Lpz. 1874); Kapp, «Aus und über Amerikas (Berl. 1876); Eickhoff, In der neuen Heimato (Neuyork 1885).