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ErdkundeBrockhaus 1882

Louisiana, einer der Vereinigten Staaten von Amerika, umfaßt 126 180 akm, grenzt im S. an den Golf von Mexiko, wird im W. durch die Sabine von Texas, im N. durch den 33.“ nördl. Br. von Arkansas, im O. durch den Mississippi und weiterhin durch den Pearlfluß vom Staate Mississippi getrennt. Von dem Hauptstrome Mississippi, vor dessen Mündung eine ungeheuere Sand⸗ und Schlammbarre liegt, zweigen sich auf der Westseite, unterhalb des Red-River, viele Nebenarme, Bayous genannt, ab (Atchafalaya, La-Fourche u. a.), welche den südwestl. Teil von L. in eine Anzahl großer strom⸗ und meerumflossener Inseln zerteilen. Der bedeutendste Nebenarm auf der Ostseite ist der Iberville, welcher durch die Seen Maurepas, Pontchartrain und Borgne mit dem Mexikanischen Golf in Verbindung steht und mit dem Atchafalaya das große Mississippi-Delta begrenzt. Ein großer Teil dieses Deltas ist jährlich den Überschwemmungen ausgesetzt. Das angeschwemmte Uferland zu beiden Seiten des Stroms, auf eine weite Strecke durch Uferdämme, die sog. Levees, eingedeicht, ist überaus fruchtbar, mit vielen blühenden Pflanzungen, besonders Zuckerplantagen, bedeckt, welche der Gegend einen freundlichen Anblick verleihen und vor dem Bürgerkriege jährlich für mehr als 10 Mill. Doll. Zucker lieferten. Der südwestl. Landesteil ist, soweit er am Golf liegt, Seemarsch; weiter landeinwärts breiten sich schon die Prairien aus, die zum Teil bis 16 meüber die Flutmarke sich erheben. Der Boden zwischen dem Mississippi, Iberville und Pearl ist flach und liefert neben Zuckerrohr auch Baumwolle. Der Norden ist wellenförmig und bewaldet. Im Nordwesten tritt der Red-River in L. ein, der viele Seitenarme, Seen, Inseln und Sümpfe bildet, den Washita aufnimmt und ein fruchtbares Bottomland hat. Spätsommer und Herbst sind in L. heiß und ungesund; an der Küste und im Stromdelta erscheint fast alljährlich das Gelbe Fieber. Der Winter ist mild und angenehm, aber veränderlich, zuweilen sogar sehr rauh. Die Landwirtschaft ist die Hauptnahrungsquelle der Einwohner und der Plantagenbau allgemein. Der Zucker, seit 1751 hier angehaut und nicht über den 31. hinaus gedeihend, bildete bis zum Bürgerkriege das Hauptstapelprodukt des Landes. Jetzt aber nimmt die erste Stelle die Baumwolle ein. Außerdem führt der Staat Reis, Tabak, Mais, Pech, Teer, Terpentin, Hanf,‚ Fett, Talg und gesalzenes Fleisch aus. Die dichten Waldungen im obern Teile des Landes liefern viel Holz, namentlich auch Kunsthölzer. Die Viehzucht ist nur in einzelnen Landstrichen bedeutend; die ausgedehnten Prairien des Binnenlandes ernähren große Herden von Hornvieh, Pferden und Schweinen. Wilde Tiere, wie Bären, Wölfe, Damhirsche, Alligatoren und Stachelschweine, gibt es in Menge. Das Mineralreich liefert Eisen, Silber, Steinkohlen, Alaun, Salz, Mühlsteine, Kalk, Töpferthon. Lebhaft ist der Binnen⸗ und namentlich großartig der Seehandel. Dieser wird fast lediglich von Neuorleans (s. d.) betrieben, welche Stadt für den Südwesten und Westen der Union das ist, was Neuyork für den Osten. Durch Eisenbahnen und Kanäle wird der Handelsverkehr bedeutend unterstützt. Die Bewohner L.s sind eine Mischlingrasse aller Nationen, größtenteils aber Franzosen und deren Nachkommen, Spanier, Anglo-Amerikaner, Schotten, Irländer und Deutsche. Ihre Anzahl betrug 1810 erst 76556, 1840 bereits 352411, 1860 dagegen 708 002 und 1880 schon 939946, worunter 483 65⁵ Neger, 489 Chinesen und 848 Indianer. Die Mehrzahl bekennt sich zur kath. Kirche. Die Anzahl der Bildungsanstalten ist noch gering und genügt kaum den bescheidensten Ansprüchen. Nach der Konstitution von 1868, welche die Sklaverei gesetzlich abgeschafft hat, üben die gesetzgebende Gewalt ein Senat von 36 auf vier Jahre gewählten und alle zwei Jahre zur Hälfte ergänzten Senatoren und eine Kammer von wenigstens 90, höchstens 120 auf zwei Jahre gewählten Volksrepräsentanten. Die Legislatur versammelt sich, auf 90 Tage, alle zwei Jahre zu Neuorleans, der nunmehrigen Hauptstadt des Landes. Die vollziehende Gewalt hat der Gouverneur, welcher auf vier —6 gewählt wird und einen Gehalt von 8000 oll. bezieht. Stimmrecht hat jeder Mann von 21 Jahren, der Bürger in den Vereinigten Staaten ist und ein Jahr vor der Wahl im Staate wohnhaft war. L. ist nicht in Counties eingeteilt, sondern in 59 Parishes. Die Staatsschuld betrug Anfang 1882: 17 155000 Doll. Das Land wurde 1541 von den Spaniern entdeckt, dann von den Briten besucht und seit 1682 von den Franzosen kolonisiert und L. zu Ehren Ludwigs XIV. benannt. Doch diese franz. Kolonien in der Nähe des Mississippi gingen infolge des ungesunden Klimas bald wieder ein. Hierauf erhielt 1712 Crozart, ein reicher franz. Kaufmann, für den Handel nach L. einen ausschließenden Freibrief auf 50 Jahre, den er 1717 an Law (s. d.) abtrat, der nun eine Gesellschaft für den Handel am Mississippi errichtete, an deren Spitze er sich stellte. Frankreich trat 1764 L. bis an den Mississippi an Spanien ab, erhielt es jedoch 1802 zurück. Die Vereinigten Staaten widersetzten sich jedo der Abtretung und erhielten infolge eines 30. April 1803 mit Frankreich abgeschlossenen Vertrags für eine Summe von 15 Mill. Doll. die Souveränetät des ganzen Landes in der Weise des bisherigen Besitzstandes Spaniens. L. wurde 30. April 1812 als Staat zugelassen, trat 26. Jan. 1861 aus der Union und wurde erst 1868 wieder als Staat in dieselbe aufgenommen. Louis neuf, s. unter Louisdor. Philippland, s. u. Südpolarländer. Lonisville, größte Stadt im nordamerik. Staate Kentucky und Hauptstadt von Jefferson-County, liegt am südl. Ufer des Ohio, unmittelbar unter den dortigen Stromschnellen, welche durch einen Kanal umgangen werden, und zählt (1880) 123 758 E., darunter 15000 Deutsche. Als Hauptstapelplatz für den kentuckyschen Whisky, Hanf und Tabat ist es bedeutend durch seinen Handel, welcher demjenigen von Cincinnati fast gleichkommt; besonders unterhält die Stadt lebhaften Verkehr mit Neuorleans und den am Mississippi gelegenen Ortschaften. Mit dem Innern des Staats und dem Süden steht L. durch drei Eisenbahnen in Verbindung. Das nördlich von L. am rechten Ohio-Ufer gelegene Jeffersonville im Staate Indiana ist der Endpunkt der Eisenbahnen von 2 mit. und Illinois und vermittelt den Verkehr L.s mit dem Norden. L. hat zahlreiche Schweineschlächtereien, Bierbrauereien, und Cigarrenfabriken. Das erste Haus von L. wurde 1778 erbaut; 1828 wurde es als City inkorporiert.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 194Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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