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ErdkundeBrockhaus 1882

Tolna, Komitat im jenseitigen Donaukreise Ungarns, zählt auf 3643,26 Qkm (1880) 234 643 E. Die Donau bildet hier mehrere Inseln und, besonders im Süden, viele Sümpfe und Moräste; ihrem Austreten ist durch kostspielige Dämme vorgebeugt. Sie nimmt an der Südspitze des Komitats die Sarviz auf, welche durch den sumpfigen, doch großenteils regulierten Kapos mit dem Koppäny und den mit dem Plattensee in Verbindung stehenden Sibd verstärkt wird. Das Land im Westen ist bergig und hügelig, das übrige vollkommen eben. Der fruchtbare Boden trägt alle Getreidearten im Überfluß, herrliche Weine, gutes Obst, vortrefflichen Tabak, auch Krapp und Saflor. An Waldungen ist kein Mangel. Ausgedehnte Wiesen und Hutungen begünstigen die Viehzucht, und in der Donau, die hier zugleich mehrere Dampfschiffahrtsstationen 0 wird beträchtlicher Hausenfang betrieben. Die Einwohner sind der Mehrzahl nach magyarisch (66,73 Proz.) und katholisch (65,25Proz.). Deutsche gibt es über 75000 und fast ebenso viel Protestanten. Ackerbau, Viehzucht, Fischfang, Schifffahrt und Handel bilden die Hauptnahrungszweige. Hauptort ist Szegszärd (s. d.). Der Marktflecken Tolna, in der ältern Geschichte des Landes oft genannt, jetzt Dampfschifffahrtsstation, sowie Station der Linie Sarbograd-Szegszard der Budapest-Fünfkirchener Eisenbahn, hat ein gräfl. Festeticssches Schloß und zählt 7723 C., welche Pottaschesiederei, Getreide⸗‚ Wein⸗, Safran⸗ und Tabaksbau, Hausenfang und Produltenhandel treiben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 740Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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