Tourville (Anne Hilarion de Cotentin, Graf), franz. Seeheld unter Ludwig XIV., geb. 24. Nov. 1642 zu Tourville (Depart. La Manche), widmete sich zeitig dem Seedienste und erhielt 1667 den Grad eines Schiffskapitäns. Als solcher unterstützte er 1669 den Herzog von Beaufort in der Expedition auf Candia, und 1671 kämpfte er unter d'Estrees gegen die Holländer. Im Feldzuge von 1675 diente er erst unter dem Chevalier de Valbette, nachher unter Duquesne. Viel Mut und Geschick bewies er 1676 in der Schlacht bei Agosta, nach welcher er die Führung eines Geschwaders erhielt. Mit der Schiffsabteilung des Marschalls von Vivonne vereinigt, stieß er 1677 unweit Palermo auf das brit.⸗ holland. Geschwader. Er griff 2. Juni den Feind an und zerstörte 12 Kriegsschiffe und viele kleinere Fahrzeuge; 5000 Menschen und 700 Kanonen fanden in den Wellen ihren Untergang, und außerdem wurde ein Teil von Palermo eingeäschert. Nach dem Frieden von Nimwegen wohnte T. unter Duquesne den Expeditionen gegen die Varbaresken bei. Nachdem er 1682 zum Generallieutenant der Seetruppen ernannt worden, unternahmen die beiden Seehelden den Zug gegen Tripolis und zerstörten die Flotte bei der Insel Chio. Im Aug. 1683 beschoß er mit Duquesne zum ersten mal Algier, wie auch 1684. Hierauf erfolgte die Beschießung und Demütigung von Genua, sowie die Zerstörung der Barhareskenflotte bei Ceuta und an der sardin. Kuste. Nachdem Frankreich 1688 den Krieg gegen Holland abermals erklärt, nahm T. verschiedene holländ. und span. Schiffe und vereinigte sich dann mit d'Estrees vor Algier, das 1. Aug. zum dritten mal stark beschossen wurde. Im J. 1689 wurde T. zum Vizeadmiral im Mittelmeer erhoben. Er mußte nun seine Escadre mit der Flotte des Grafen von Chäteau-Regnault vereinigen und mit demselben eine Demonstration gegen Irland zu Gunsten Jakobs II. unternehmen. Beide Anführer begegneten 20. Juli 1690 der 112 Segel starken vereinigten brit.⸗holländ. Flotte bei der Insel Wight. Die brit. Abteilung nahm bald den Rückzug, die Holländer hingegen hielten aus und verloren durch T.s Anstrengungen 15 Schiffe. Nach der Schlacht setzte T. den Engländern nach und zerstörte 12 Schiffe und viele Transportfahrzeuge in der Bai von Teignmouth. Um die Landung der Jakobiten an den brit. Küsten zu bewerkstelligen, ließ hierauf Ludwig XIV. zwei große Escadres zu Toulon und zu Brest ausrüsten, deren eine d'Estrees, die andere T. befehligte. Zugleich sollte letzterer das Oberkommando führen. Er lief mit 44 Schiffen aus und begegnete 28. Mai 1692 auf der Hohe des Cap de la Hague der 88 Segel starken brit.⸗holländ. Flotte unter dem Admiral Russell. Wiewohl T. in dem sich entspinnenden Kampfe 12 Schiffe verlor und der übermacht endlich weichen mußte, war doch diese Niederlage seine glänzendste Waffenthat. Im März 1693 verlieh ihm der König den Marschallsstab. Am 26. Mai 1693 verließ T. an der Spitze von 71 Kriegsschiffen den Hafen von Brest und begegnete auf der Höhe des Kap St.⸗Vincent einem roßen brit.⸗holländ. Convoi, das von 27 Linienchiffen begleitet wurde. Er eröffnete am 27. den Angriff und eroberte an diesem und dem folgenden Tage 27 Kriegs⸗ und Handelsfahrzeuge; 45 andere wurden zerstört. Im J. 1694 hatte T. den Auftrag, die Operationen des Herzogs von Noailles in Catalonien zu decken, und von 1694 bis 1698 führte er den Befehl über die Küsten des südl. Frankreich. Er starb 28. Mai 1701. Die unter T.s Namen von Margon veröffentlichten Mémoires (3 Bde., 1742—58) sind unecht.