FeedTrochu (Louis Jules)
GeschichteBrockhaus 1882

Trochu (Louis Jules), franz. Divisionsgeneral, geb. 12. Mai 1815 zu Palais, nahe bei Belle-Isleen-Mer (Depart. Morbihan), kam 1835 in die militärische Spezialschule zu Paris, aus welcher er 1838 als Lieutenant in die Generalstabsschule versetzt wurde. Nachdem er 1840 diese Schule mit dem Range eines Oberlieutenants verlassen, begann er 1841 den praktischen Militärdienst in Afrika, wo er sich mehrfach auszeichnete, Adjutant des Generals Lamoricière und 1843 Kapitän wurde. An der Seite Lamoricières machte T. die Schlacht von Isly mit, sowie die Feldzüge während des Kabylenaufstandes von 1845—46, in denen er sich mehrfach hervorthat, wurde 1846 Adiutant des Marschalls Bugeaud und blieb in dieser Stellung bis zum Tode des Marschalls. Am 3. Jan. 1851 wurde er zum Oberstlieutenant befördert und 1852 als Direktor der persönlichen Angelegenheiten ins Kriegsministerium berufen, wo er sich sehr bald die Gunst des Marschalls Saint-Arnaud erwarb. Dieser wählte ihn beim Ausbruch des Orientkriegs im Sommer 1854 zu seinem persönlichen Adjutanten. Nach dem Tode Saint-Arnauds (Sept. 1854) trat T. in gleicher Eigenschaft als Adjutant an die Seite des neuen Oberbefehlshabers Generals Canrobert, wurde 24. Nov. mit Belassung in seiner Stellung zum Brigadegeneral ernannt, trat von derselben aber zurück, als Pelissier das Oberkommando übernahm, und erhielt die 1. Brigade im 1. Armeekorps, an deren Spitze er sich 8. Sept. 1855 beim Sturm auf den Malakow auszeichnete. Seit 1856 Mitolied des Generalstabskomitee, wurde T. beim Ausbruch des ital. Kriegs 14. April 1859 zum Kommandeur der 1. Brigade des 3. Armeekorps der ital. Armee ernannt, stieg schon 4. Mai zum Divisionsgeneral auf und that sich in der Schlacht von Solferino hervor. Nach dem Friedensschlusse wurde er wieder ins Kriegsministerium berufen. Eine kritische militärische Broschüre: L'armée française en 18675 (Par. 1867; 20. Aufl. 1870), zog ihm die Ungunst des Hoses zu. Vor dem Ausbruch des Kriegs von 1870 befehligte T. die 12. Territorialdivision zu Toulouse. Nach den ersten Niederlagen der franz. Armee ernannte ihn der Kaiser 17. Aug. zum Gouverneur von Paris. Nach der Kapitulation von Sedan trat T. 4. Sept., nachdem er noch kurz vorher die Kaiserin seiner Treue versichert hatte, an die Spitze der Regierung der nationalen Verteidigung und übernahm den Oberbefehl über alle zur Verteidigung von Paris bestimmten Streitkräfte. In dieser Stellung leistete er viel, wenn man Zahl und Umfang seiner Erlasse, Armeebefehle und Ansprachen „dagegen sehr wenig, wenn man seine Thätigkeit als Truppenführer zum Maßstabe der Beurteilung wählt. Er glauhte einen unfehlbaren Operationsplan zur Rettung der Hauptstadt zu besizen, hielt denselben aber geheim. Als er sah, daß eine Kapitulation der Hauptstadt, die zu befreien er mit hochtönenden Phrasen versprochen hatte, unvermeidlich war, legte er 20. Jan. 1871 das Kommando in die Hände des Generals Vinoy nieder, verblieb jedoch Präsident der Regierung. Als Mitglied der Nationalversammlung von Bordeaux und Versailles, wo er zum rechten Centrum gehörte, versuchte er, seine Thätigkeit als Gouverneur von Paris zu verteidigen. Nach einem höchst ärgerlichen Prozeß gegen den Eigaroy im Frühjahr 1872 wegen Verleumdung, in welchem T. seine Sache nur halb gewann, legte er im Juli 1872 sein Mandat als Abgeordneter nieder, nahm 16. Jan. 1873 seinen Abschied aus der Armee und zog sich in den Kanton Belle-Isle des Depart. Morbihan zurück, wo er kurze Zeit Präsident des Generalrats war. T. veröffentlichte zu seiner Rechtfertigung „L'empire et la défense de Paris devant le jury de la Seine (Par. 1872), (Pour la véêrité et pour la justice o (Par. 1873), La politique et le siége de Pariso (Par. 1874), sowie 1879 eine kritische Arbeit über die Reorganisation der franz. Armee, welche er sehr abfallig beurteilte, die aber wenig beachtet worden ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 856Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6