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GeschichteBrockhaus 1882

Thibaudin, franz. General und Kriegsminister, geb. zu Moulins-en-Gilbert 1827, war 1870 Oberst des 67. Infanterieregiments, geriet 16. Aug. bei Mars-la-Tour verwundet in Kriegsgefangenschaft, wurde in Mainz interniert und entfloh von dort unter Bruch des Ehrenwortes im Dezember nach Frankreich; hier stellte ihn der Kriegsminister unter dem Namen seiner Mutter, Commagny, als Kommandeur der 2. Division des 24. Korps bei der Ostarmee des Generals Bourbaki an und übertrug ihm nach der Absetzung des Generals Bressolles den Befehl über das 24. Korps. T. wurde in der Schlacht an der Lisaine verwundet und später in der Schweiz interniert, ging aus einer über sein Verhalten in Mainz eingeleiteten Untersuchung nicht gerechtfertigt hervor, wurde jedoch nicht bestraft, sondern nur aus dem aktiven Dienste entlassen. Schon 1872 als Oberst des 32. Infanterieregiments wieder angestellt und wegen seiner ausgeprägt republikanischen Gesinnung bald zum Brigadegeneral befördert, wurde T. vom Kriegsminister Farre als Direktor der Infanterxie ins Kriegsministerium berufen und 1882 zum Divisionsgeneral ernannt. Am 30. Jan. 1883 wurde T. Kriegsminister, da sich kein anderer General dazu bereit finden ließ, das Prätendentengesetz gegen die im Heere dienenden Prinzen von Orleans zu vollstrecken, und beseitigte die Prinzen durch Dekret vom 23. Febr., obgleich der Senat das Prätendentengesetz abgelehnt hatte. T. war, im Heere gering geachtet, ein gefügiges Werkzeug der radikalen Partei, aber ohne Thatkraft und organisatorisches Talent. Er vollzog die Umformung der Festungsartillerie nach dem Entwurfe des Generals Billot und wurde 4. Okt. 1883 vom Ministerpräsidenten zum Rücktritt veranlaßt wegen seines taktlosen Betragens beim Besuche des Königs von Spanien in Paris. T. erhielt kein Truppenkommando, wurde jedoch vom Kriegsminister Boulanger im April 1886 zum Präsidenten des beratenden Komitee für Infanterieangelegenheiten ernannt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 634Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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