FeedTscherning (Anton Frederik)
GeschichteBrockhaus 1882

Tscherning (Anton Frederik), dän. Artillerieoberst und Staatsmann, geb. 12. Dez. 1795 zu Frederiksvärk auf Seeland, wohnte als Sekondelieutenant der Artillerie im dän. Kontingent 1814 dem Zuge nach dem Rhein, der Belagerung von Jülich und seit 1815 der Occupation Frankreichs dei. Nachdem er sich 1817 und 1818 in Paris und auf der Artillerieschule zu Metz weiter ausgebildet, fungierteer 1820—28 als Premierlieutenant. Dann wurde er zu dem franz. Expeditionskorps nach Morea beordert und nach seiner Rückkehr 1829 zum Hauptmann und Lehrer am Artillerie-Kadetteninstitut, 1830 zum ersten Schuloffizier und Lehrer der Artilleriepraktik an der Militärhochschule zu Kopenhagen ernannt. Damals schrieb er (Geschichte der preuß. Provinzialständer (1831) und über Das dän. Wehrsystem und dessen Mängely (4 Hefte, 1831—33). In den Regierungskreisen als Demagog angesehen, erhielt er längern Urlaub und übernahm die Direktion eines Kohlenbergwerks in der Auvergne, dann die Verwaltung der Eisenbahn von Montpellier nach Cette. Erst unter Christian VIII. wurde er 1841 wieder in den aktiven Dienst aufgenommen und zum Batteriechef ernannt, erhielt aber noch in demselben Jahre den nachgesuchten Abschied. Seitdem lebte er in Kopenhagen, wo er teils in industrieller Richtung, teils als Publizist und Mitarbeiter der Zeitung Fädrelandete wirkte. Auch entwarf er den Plan zur Stiftung der Gesellschaft der Bauernfreunde (5. Mai 1846). Nachdem er bei der kopenhagener Märzbewegung eine wichtige Rolle gespielt, trat er als Kriegsminister in das sog. Casinoministerium (22. März bis 15. Nov. 1848) und wurde 10. April 1848 zum Obersten befördert. Bis 1866 war er Mitglied der gesetzgebenden Versammlungen (Reichstag und Reichsrat) und der hervorragendste Führer der sog. bauernfreundlichen Partei. Während der Verhandlungen über die beabsichtigte Verschmelzung der beiden dän. Grundgesetze von 1849 und 1863 veröffentlichte er eine bemerkenswerte Flugschrift „Zur Beurteilung des Verfassungsstreitso (1865). D. starb 29. Juni 1874 in Kopenhagen. Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XV.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 881Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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