FeedUhren
TechnikBrockhaus 1882

Uhren (lat. horologium) nennt man diejenigen Instrumente, welche zur Messung und Einteilung der Zeit dienen. Die Alten kannten nur Sonnenuhren (s. d.) oder Gnomonen, Sanduhren (s. d.) und Wasseruhren. Die Wasseruhr (Klepsydra) fand sich schon 600 Jahre v. Chr. bei den Assyrern vor, im 5. Jahrh. v. Chr. bei den Griechen und 159 v. Chr. bei den Römern. Zur Zeit Sardanapals bestand die assyr. Wasseruhr aus einem metallenen cylindrischen Gefäß, nahe an dessen Boden eine feine Offnung den Abfluß des Wassers zuließ; das Gefäß wurde bei Sonnenaufgang gefüllt und der Ablauf durch Ausrufer verkündet, was ungegesc sechsmal des Tags und ebenso der Nacht geschehen sein wird. Schon Ptolemäus erkannte die große Unvollkommenheit der Wasseruhren; dennoch wurden sie zum Hausgebrauch selbst nach Erfindung der Räderuhren bis zum 17. Jahrh. nicht selten angewendet, neben ihnen die noch unvollkommenern Sanduhren. Was die Sanduhren betrifft, so bediente sich der Astronom Rivaltus vor der Mitte des 17. Jahrh. derselben noch zu astron. (um Mesen d. sie haben sich auch bei den Schiffern zum Messen der Geschwindigkeit der Schiffe mit dem Log), auf den Kanzeln, in Billardzimmern, beim Eierkochen etc. bis heute erhalten. Tycho de Brahe verfertigte sich zu astron. Gebrauch eine U., wobei er statt des Sandes Quecksilber verwandte. Im modernen Sinne des Worts sind U. solche zeitmessende Instrumente, die mit Räderwerk versehen sind. Man kann sie, wenn man von den elektrischen U. absieht, in zwei Arten, in Gewicht⸗ und Ecwert eines einteilen, je nachdem sie durch die Schwere eines Gewichts oder durch die Clasticität einer bandförmigen Metallfeder in Bewegung gesetzt werden. Der eigentliche Erfinder der Räderuhren, als welcher weder der Priester Pacificus in Verona um die Mitte des 9. Jahrh., noch Gerbert, der nachmalige Papst Sylvester II. (gest. 1003), anzusehen, ist nicht mit Bestimmtheit anzugeben. Erst im 12. Jahrh. fing man in den Klöstern an, Schlaguhren mit Räderwerk zu gebrauchen, und da im 13. Jahrh. der Sultan Saladdin dem Kaiser Friedrich II. eine solche U. mit Gewichten und Rädern zum Geschenk machte, so hat man die Vermutung aufgestellt, die Sarazenen seien die eigentlichen Erfinder der Räderuhren gewesen und diese erst durch die Kreuzzüge nach Europa gekommen. Dante erwähnt ausdrücklich die Schlaguhren, die hiernach schon zu Ende des 13. 63.1 in Italien bekannt gewesen sein müssen. Im J. 1288 erhielt ein engl. Mechaniker ein Privilegium für die Verfertigung eer Uhr für den Turm der Westminsterhalle. Doch wurden die Turmuhren erst im 14. Jahrh. allgemeiner, wo dergleichen in Bologna, Nürnberg, Straßburg, Courtray, Speier u. s. w. vorkommen und — Dondi in Padua, sowie Heinrich von Wiek oder Wyck, ein Deutscher, als Verfertiger von Turmuhren berühmt waren. Gegen Ende des 15. Jahrh. waren die U. auf dem Kontinent wie in England schon sehr verbreitet; um 1484 brauchte man sie schon zu astron. Beobachtungen. Die tragbaren oder Taschenuhren (Sackuhren) hat, wie unzweifelhaft nachgewiesen worden ist, der nürnberger Schlosser Peter Henlein (fälschlich oft Hele genannt) erfunden; er wurde 1480 in Nürnberg geboren und 15⁴² dafelbst begraben. Durch seine geniale Erfindung ist Henlein der Begründer des Kleinuhrmachergewerbes geworden; schon 1511 hatte er die tragbare Uhr so vervollkommnet, daß sie 40 Stunden ging und schlug. Nach 23 Form bekamen die nürnberger Sackuhren den Namen „Nürnberger Cyerleinv. Die ältesten U., Turm⸗ und Zimmeruhren, besaßen zur Regelung eines gleichförmigen Räderablaufs keineswegs ein Pendel, sondern einen hin und her schwingenden, mit Gewichten belasteten Stab (Waag oder Bilanz genannt), dessen Achse an einem Faden aufgehangen war. (Fig. 1 der Tafel: Uhren.) Huyghens erfand 1656 die eigentliche Pendeluhr, d. h. die Verbindung des durch die Wirkung der Schwere schwingenden Pendels mit der bekannten Spindelhemmung der alten Waaguhren. Galilei kam zwar schon 1641 auf die Idee, das Pendel in den damaligen U. anzuwenden; doch blieb der Entwurf dieser Erfindung lange geheim. Die ls Sbpfer de erfand Barlow in London Engländer Harrison (gest. 1776) zu betrachten. Nach ihm haben sich auf diesem Felde nament ich Arnold und Ere, dur in England, Berthoud und Breguet in Paris, Jürgensen in Kopenhagen, Kessels in Alhat man vier Hauptbestandteile be unterscheiden, in bestimmten Fällen noch einige Aebenvorri tun⸗ — hinzugefügt werden. Diese vier wesentlichen eile sind: der Bewegungsapparat, welcher die zum Gange erforderliche Kraft entwickelt; das Räderwerk, ein System ineinander greifender verzahnter Räder, wodurch die Zeiger mit der angemestenen und Reichformigen Geschwindigkeit bewegt werden: der H1. mamlich das eigentlich Zeitmessende an mittels der Zeiger auf dem Zifferblatt registri werden; endlich die Hemmung, auch der Gang oder das Echap pementgenannt, ein Verbindungsseits dem Regulator fort und fort mulchs Deiner wegkraft zu ersetzen, was er . Tbungen 15 Luftwiderstand einbüßt. Die Bewegungen des Regulators sind hin und her gehende Schwingungen, und zwar entweder die eines Pendels (s. P ünruh oder eines kleinen Schwungrades, der sog. Un ru (Fig. 6 der Tafel: Uhren), in Verbindung mit einer spiralförmig gewundenen, feinen Stahlfeder (Spiralfeder); danach teilen sich die U. in Pendeluhren (frz. Pendules, engl. clocks) und Unruhuhren (frz. montres, engl. watches). Hinsichtlich der bewegenden Kraft unterscheidet man Gewichtuhren, Federzuguhren, Clektrische

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 951Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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