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ErdkundeBrockhaus 1882

Waterford, östlichste Küstenlandschaft und Grafschaft der Provinz Munster in Irland, zwischen dem Meere im S., Cork im W., Tipperary und Kilkenny im N. und Wexford im O., hat ein Areal von 1867,8 akm. Das Land ist sehr bergig. Seine Gebirge haben, obwohl nirgends bis 800 m hoch, doch ein eigentümliches, höchst malerisches Ansehen und bieten, in Verbindung mit den kleinen Seespiegeln, den üppigen Ackerbaufeldern und Wiesengründen der Thäler, oft überraschend schöne Ansichten dar. Die höchsten Berge sind der Knockmealdown im N. von Lismore (795 m), der Comeragh (791 m) und der Knockanaffrin (752 m). Die Küste ist mit Klippen und Riffen besäet. Die größten Flüsse sind der die Nordgrenze großenteils bildende Suir, welcher, vereinigt mit dem Barrow, in die geräumige und sichere Bai von Waterfordhaven mündet; im Südwesten der Blackwater, der mit seiner ebenfalls breiten Mündung in die Houghalbai übergeht. Beide gleichen in ihrem untern Laufe schmalen Meeresarmen und sind für Seeschiffe weit aufwärts schiffbar. Es fehlt dem Lande nicht an Eisen, Kupfer und andern Mineralien; allein aus Mangel an Holz und Steinkohlen beschränkt sich der Bergbau auf etwas silberhaltiges Blei. Die Thäler sind fruchtbar an Weizen, Hafer, Flachs und Kartoffeln. Bedeutender als der Ackerbau ist die Viehzucht, begünstigt von Bergweiden und üppigem Wiesenwuchs. Auch fehlt es nicht an großen Marsch- und Torfstrecken. Man rechnet auf das Ackerland 21, auf die Kleefelder und Wiesen 5, auf die Wälder 6½ Proz. des Areals. Die Rinder- und Schweinezucht liefert Butter und Käse, Salzfleisch und Speck für den Ausfuhrhandel. Dieser und Fischerei, Whiskybrennerei und Leinweberei bilden die Hauptnahrungszweige der Einwohner, deren Zahl 1841—81 von 172971 auf 113235 herabsank. Die Grafschaft schickt zwei Mitglieder ins Parlament, drei andere die Städte. Die Hauptstadt und City Waterford, am rechten Ufer des Suir, 8 km von dessen Vereinigung mit dem Barrow gelegen, einer der ersten Hafenplätze Irlands, für den auswärtigen wie für den innern Handel gleich günstig gelegen, ist Sitz eines kath. Bischofs, Station der Eisenbahnen Waterford-Limerick-Tuam, W.⸗Kilkenny-Maryborough, W.⸗Lismore und W.⸗Tramore, und zählt 22401 E. Den geräumigen Waterfordhaven deckt eine kleine Festung. Neben dem sehr bedeutenden Handel mit Getreide, Mehl, Rübsamen, besonders aber mit Talg, Butter und eingeschlachtetem Fleisch wird starker Herings⸗ und Stockfischfang betrieben. Die Industrie beschräntt sich auf Bierbrauerei, Branntweinbrennerei, Schiffbau, Stärke⸗ und Glaswarenfabrikation. Dagegen sind die Schlächtereien von großer Bedeutung. Außer den Kais, in welchen Schiffe bis zu 800 t anlegen können, sind bemerkenswert das vom Dänen Reginald im 11. Jahrh. erbaute Kastell (Port Lairge), eins der ältesten Schlösser Irlands, die prot. und die kath. Kathedrale, sowie die schöne Börse. W. ist Sitz eines deutschen Vizekonsuls für W., New-Roß, Wexford und Dungarvan. Die Stadt wurde 1170 von den Engländern erstürmt und hierauf ein wichtiger Stützpunkt derselben für ihre weitern Unternehmungen in Irland.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 473Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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