FeedWestmacott (Sir Richard)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Westmacott (Sir Richard), engl. Bildhauer, geb. 15. Juli 1775 zu London, erhielt seine Bildung in Rom und Paris. Nach seiner Rückkehr machte er sich zunächst bekannt durch die in der Westminster-Abtei 1806 aufgestellte Statue Addisons und vollendete w1809 die Monumente für Sir Ralph Abercrombie und für Lord Collingwood in der Paulskirche. Nachdem er bei der Bronzestatue des Herzogs von Bedford für Russell-Square persönlich die Formung und den Guß geleitet und dann die Statue Nelsons für Barbadoes und die von Fox für Bloomsbury-Square ausgeführt hatte, vollendete er 1822 den Koloß des Achilles in Hydepark, eine der größten Statuen, die je gegossen wurden. Dann folgte 1814 das Monument Will. Pitts für die Westminster-Abtei; ferner für denselben Ort die Statuen für den Herzog von Montpensier, Addison, Erskine und Warren Hastings; die Statue eines Bauermädchens (1819) zum Monument für Lord Penrhyn und die eines Hindumädchens zu einem Denkmal Alex. Colvins in Kalkutta; die Bronzestatuen Georgs III. in Liverpool; die Reiterstatue desselben Königs auf Sion-Hill, gegenüber Windsor; die Statue Cannings, die 1832 unweit des Parlamentshauses errichtet wurde und zu den schönsten Werken der Bildhauerkunst in London gehört; die des Herzogs von Nork im St.⸗Jamespark 1834. Auch lieferte W. 1844 das große allegorische Relief für den Fronton der neuen Börse in London. Als Professor der Skulptur an der königl. Akademie wirkte er seit 1827 durch Vorträge. Auch besitzt man von ihm eine Abhandlung über mittelalterliche Plastik in England (Lond. 1846). W. wurde 1837 in den Ritterstand erhoben und starb 1. Sept. 1856 in London. Richard W., Sohn des vorigen, geb. 1799 zu London, Schüler des Vaters und seit 1818 der Akademie, bildete sich in Italien streng nach der Antike. Außer Statuen, wie die Pandora und eine afrik. Sklavin (in Florenz), ein Amor mit dem Pfeile und Venus, die den Ascanius schützt, verfertigte er zahlreiche Büsten, z. B. von Lord John Russell (1843), welche die seines Vaters teilweise noch übertreffen. Als Meister des got. Stils wlen er sich durch sein Denkmal des Erzbischofs Howley im Dome zu Canterbury (1850); fernere Arbeiten von ihm sind: David mit dem Kopfe Goliaths, in Marmor. W. hielt seit 1857 als Professor der Skulptur an der Akademie Vorlesungen über die Kunst der orient. und klassischen Völker. Er starb zu Kensington 19. April 1872. Ein anderer Bildhauer dieses Namens, James Shewood W., machte sich zuerst durch die trefflichen Statuetten Alfreds d. Gr. und des Richard Löwenherz bekannt. Dann fertigte er eine Marmorstatue von Johannes dem Täufer (1857) und das Modell für die Statue des Grafen von Winchester, welche für das Haus der Lords in Bronze gegossen ward. Unter seinen Büsten zeichnet sich die der Königin Victoria aus. In neuerer Zeit wandte er sich nichthistor. Vorwürfen zu und bildete eine Peri nach Moores Lalla Rookho u. a.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 582Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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