FeedKamelie (Camellia)
PflanzenreichBrockhaus 1882

Kamelie (Camellia), eine von Linné nach ihrem Entdecker, dem mähr. Jesuiten und Reisenden auf den Philippinen im 17. Jahrh., Georg Joseph Kamel, benannte, dem Theestrauch verwandte, im östl. Asien einheimische Pflanzengattung, welche zur Familie der Ternstroemiaceae gehört. Die K. sind immergrüne Sträucher oder Bäumchen mit wechselständigen, Lundeunt lederartigen, ganzen Blättern und achsel- und endständigen, ansehnlichen Blüten. Der Kelch ist fünfblätterig und abfallend, äußerlich von mehrern in Deckblätter übergehenden Schuppen umhüllt; die Blumenkrone der einfachen Blüten hat fünf bis sieben am Grunde verwachsene Blumenblätter; die Staubgefäße sind zahlreich und ebenfalls am Grunde einbrüderig verwachsen. Die drei⸗ bis fünffächerige Kapsel enthält nach dem Aufspringen ein freies, die Samen tragendes Mittelsäulchen; doch bleibt sie auch bei einigen Arten geschlossen. Vonden verschiedenen Arten, welche sämtlich durch prächtige, bisweilen wohlriechende Blüten sowieeine schöne Belaubung ausgezeichnet sind, ist die Ja pa-Ieuten Kamelie (Camellia Japonica) die beliebteste. Ihre Blätter sind eirund-elliptisch, fast zugespitzt und gesägt, glänzend; die Blüten sind sitzend, 75 einzeln stehend, groß, und der Fruchtknoten ist kahl. Ursprünglich ist sie in Japan einheimisch, sie wird aber daselbst wie auch in China als Zierstrauch schon seit undenklichen Zeiten auch häufig kultiviert. Jetzt ist ihre Kultur auch in Europa ungemein ausgebreitet, und man hat viele Hunderte von Spielarten, welche sich in der Hauptsache 16910 Wen.⸗ Füllung und Bau der Blume unterscheiden. Eine der beliebtesten Marktsorten ist Alba plena. Die Farbe der Blume ist rot in zahlreichen Abstufungen, aber auch weiß, gelblich und bunt. Gestalt und Stellung der Blumenblätter sind bei den Spielarten gleichfalls verschieden, besonders sind die Blumenblätter abgerundet oder ausgerandet, ganzrandig oder gezähnt oder fast zerschlitzt oder gefranst, oder spitz, rosenartig, anemonenartig, oder reihenweise dachziegelig, bisweilen auch spiralig angeordnet. Die Blütezeit fällt in den Herbst, Winter und Frühling. Diese K. eignet sich vorzüglich für das Glashaus und den Wintergarten; doch kann man sie auch im Zimmer, besonders zwischen Doppelfenstern, gut kultivieren. Außer dieser Art werden noch Camellia reticulata und Camellia Sasanqua kultiviert, welche beide aus Japan und China stammen. Erstere hat breitere und dichter gesägte, auf der untern Fläche netzaderig gezeichnete, weniger glänzende Blätter, einen seidenhaarigen Fruchtknoten und bedeutend größere Blüten, letztere weichhaarige Blätter und kleine zarte Blüten. Das bedeutendste Werk über K. ist die Iconographie des Camelliasn von Verschaffelt (12 Bde. Gent 1848—60). Die K. ist nicht schwierig zu kultivieren, muß indes doch mit einiger Vorsicht delto m sein. Ofenwärme verträgt sie nicht wohl; desto mehr verlangt sie Licht und Luft. Da sie gerade in den Wintermonaten lebhaft vegetiert, so wird ihr ein starkes Austrocknen des Wurzelballens sehr gefährlich und hat im ur Foscer Falle das Abstoßen der Blütenknospen zur Folge; was aber häufig auch durch den öftern Wechsel des Standortes herbeigeführt wird. Wer also kein ganz helles Lokal für seine Topfpflanzen hat, verzichte lieber auf die Unterhaltung von K. Am besten gedeiht die K. in einer Mischung aus Rasen⸗, Heide⸗ und Lauberde mit dem sechsten Teile Flußsand oder in ähnlich zusammengesetzten Erdarten. Die beste Zeit zur Versetzung ist 4—6 Wochen nach der Blüte gekommen, von welcher Zeit an sie nicht zu stark gegossen werden dürfen, dagegen es lieben, mit den Töpfen ins freie Lan d oder in Beete mit Steinkohlenasche eingesenkt zu mißt, sind unter C aufzusuchen. werden. Durch die Einwirkung der heißen Mittags sonne erhalten die Blätter nicht selten Brandflecken Können die K. im Spätherbst, wenn rauhe Wit. terung eintritt, noch für einige Zeit wärmer gestellt werden, als später die Temperatur im lberwin. terungsraume sein soll (4. 5 bis 6 R.), so ist dies insofern vorteilhaft, als die neuen Triebe recht rei werden, wodurch am meisten dem Abfallen der Knospen vorgebeugt wird. Die Vermehrung wird am besten durch Veredlung auf junge Stecklingspflanzen der einfach blühenden Art bewirkt. Junge Veredlungen blühen meistens schon im zweiten Jahre. Fir die Kultur in Wohnräumen sind am besten geeignet Alba plena, Anemonaeflora alba, Paeoniaeflora, Waratah und einige andere.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 48Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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