FeedKeratry (Emile, Graf de)
GeschichteBrockhaus 1882

Keratry (Emile, Graf de), franz. Publizist und Politiker, geb. 20. März 1832 zu Paris, trat 1854 als Freiwilliger in das 1. Regiment der Chasseurs d'Afrique, schiffte sich 1861 nach Mexiko ein, fungierte dort längere Zeit als Eskadronschef unter den Contreguerrillas und als Bazaines Ordonnanzoffizier, nahm jedoch 1865 seinen Abschied aus der Armee. Nach Frankreich zurückgekehrt, veröffentlichte er über die Handlungsweise Bazaines und der franz. Regierung gegenüber dem Kaiser Maximilian eine Reihe von Artikeln, die viel Aufsehen erregten. Bald nachher wurde er Direktor der „Revue moderned und ließ hier neue Abhandlungen über denselben Gegenstand erscheinen. Bei den allgemeinen Wahlen 1869 wurde er im Depart. Finistere als liberaler Oppositionskandidat gewählt. Am 4. Sept. 1870 übertrug ihm die Regierung der Nationalverteidigung den Posten des Polizeipräfekten von Paris. Als solcher verordnete er sofort die Vertreibung der daselbst wohnhaften Deutschen und die Auflösung der bewaffneten Polizeidiener (Sergents de ville), welche er durch unbewaffnete Friedenswächter (Gardiens de la paix) ersetzte. Schon 12. Okt. legte er sein Amt nieder, verließ mittels eines Ballons die belagerte Hauptstadt und wandte sich nach Tours, wo er mit Gambetta in Streit geriet und sich ins Privatleben zurückzog, bis ihn Thiers 1871 zum Präfekten in Toulouse und bald darauf in Marseille ernannte. Doch fehlte es ihm für diese Amter an Takt und Mäßigung; er nahm 8. Aug. 1872 seine Entlassung und kehrte nach Paris zurück, wo er sich wieder mit Journalistik beschäftigte. Außer verschiedenen Komödien schrieb K. mehrere interessante polit. Flugschriften: La Contre-Guerilla (1867), „LEmpereur Maximilien, son élévation et sa chuter (Par. 1867; deutsch, Lpz. 1867), Wa créance Jeckero (1868). Au guste Hilarion de K., Vater des vorigen, geb. 28. Okt. 1769 zu Rennes, beteiligte sich seit 1822 als Mitarbeiter des Courrier Françaiso an der liberalen Bewegung gegen die klerikale Reaktion, schloß sich nach der Julirevolution an Ludwig Philipp an, ward 1849 in die Legislative gewählt und starb 7. Nov. 1859 zu Port-Marly bei Versailles.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 239Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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