Abessinien (1867/68). Der Feldzug der Engländer hatte die Einschliessung des Negus auf der Amba Magdala zur Folge, wo sich derselbe, zu stolz, Wsa Uhsu VLsi Wsä ULse Wse Wso N ba Mbun, bin bä f be -flbe fl bo O©OwD- wwP ww@ wi® we @ we D wo Fürst Kassa von Tigre, nach Vernichtung des Fürsten Gobasie von Eodscham und Vertragsschluss mit Menilek, dem Fürsten von Schoa, zum Negus empor. Er nennt sich Johannes II. Indessen scheint sein Machtbereich, trotzdem es ihm gelang, das um ın Gefangenschaft zu geraten, am 13. April 1868 durch einen Pistolen. schuss den Tod gab. Damit sank das Land in die alte Zerrüttung zurück. In dieser allgemeinen Ver. wirrung schwang sich neuerdings der H Hzu H zi H za $, z& 'H ze mr Mu nt mt mt te Mto Äthiopisch und Amharisch). im Spätherbst 1875 in sein Land gedrungene ägyptische Heer unter Arabel Ber und Munzinger mit Hilfe seines Generals, des Engländers Kirkham und des Ras Aal (s. d.) am 15. Nov. 1875 bei Guddi-Gudda am Mareb und am 5.—7. März 1876 den ägyptischen Prinzen Hassam bei Gura aufs Haupt zu schlagen und sein Heer zu vernichten, zur Zeit noch nicht weit über die Landschaft Tigr& hinauszureichen; wenigstens droht neuerdings wieder durch die Neigung Menelik’s von Schoa, den in Massaua stationierten. Italienern zur Niederlassung in A. beizustehen, ein Bürgerkrieg zwischen diesem Fürsten und dem Negus Negesta auszubrechen, welch letzterer sich entschieden weigert, Europäer in seinem Lande festen Fuss fassen zu lassen. Dieser beständige Kriegszustand, in welchem A. sich befindet, lässt nicht nur die Landeskultur auf sehr tiefer Stufe, sondern verhindert auch die Aufschliessung der Wohlstandsquellen von aussen her. Die Sprache der Abessinier, in der Regel die „äthiopische‘“ genannt, gehört dem semitischen Sprachstamme an und zwar dem südlichen oder arabischen Zweige derselben, ist aber seit einer Reihe von Jahrhunderten schon eine tote Sprache und fristet nur noch als Kirchensprache (Geez) ein kümmerliches Scheinleben. An ihrer Stelle haben sich infolge der politischen Zerrissenheit des Landes Mundarten herausgebildet: und zwar die Amharische (Amharinja), eine Schwestersprache des Äthiopischen, im’Lauf.der Jahrhunderte zu günzlich eigentümlicher Entwickelung selangt; ferner die Mundarten des Tigrs6 und des Tigrinja, dialektische Verkümmerungen d. Altäthiopischen, die sich im Norden erhalten haben. Der Handel Abessiniens bewegt sich auf Karawanenstrassen in zwei Richtungen: von Gondar über Adowa nach Massaua, und von Gondar durch Sennar nach Kairo. Einfuhrartikel sind: europäische und indische Waren (grobe Tuche, Calicots, Seidenstoffe, Kurz- und Glaswaren, Nadeln, Schiesswaffen, schwarzer Pfeffer etc.); Ausfuhrartikel: Kaffee, Myrrhen, Gummi, Elfenbein, Moschus, Zibeth, Gold und Sklaven aus dem Gallalande. Die Hauptmärkte für den letztern Handelsartikel sind die arabischen Küstenorte. Zahlmittel sind: der Mariatheresienthaler vön 1789 (= 4,, Mk.), derspan. Silberpiaster(=4,Mk.), das Gali (s. d.) und das Amulß (s. d.). Man teilt A. geographisch ein in: a) das eigentliche Habesch mit den drei Hauptlandschaften Tigre, Amhara und Schoa (s. diese und vergl. den Artikel Habesch); b) die ehemals abessinischen Gebiete Danakil (s. d.) und Adel (s. d.), welche die östlichen Vorterrassen des abessinischen Hochlandes bis zum sandigen Küstenstrich Samhara überdecken; ce) das südliche, von Theodor nicht unterworfene Gebiet der Hochländer um die Quellen des Godschab (vermutlich eines der oberen Zuflüsse des Tschuban), mit den Landschaften Enarea (s. d.) und Kaffa (s. d.). 330 v. Chr. Die Kriegszüge Alexanders des Grossen und die durch ihn an die Küste verpflanzten Kolonisten machen den Ägyptern des Altertums Abessinien bekannt. ca. 300 bis 200 v. Chr. Ptolemäos Euergetes und mehrere seiner Nachfolger entsenden Expeditionen an das abessinische Küstenland, um den Handel mit dem Norden in Fluss zu bringen und griechische Bildung dorthin zu verpflanzen, 4.—5. Jahrh. Einführung des Christen- ' ms. 6. Jahrh. Kosmos Indikopleustes, ein christl. Kaufherr, findet in der Adulisbai eine Inschrift, welche über das A, - der damaligen. Zeit Aufschluss giebt. 15. Jahrh. Fra Mauro, ein italienischer Mönch, schildert A. in seinem „Weltbild“ (zu Venedig aufbewahrt) und erwähnt bereits des Blauen Nils als „eines spiralförmig gewundenen Stromes Abai“, 16. Jahrh. Die Portugiesen treten mit dem „Reich des Erzpriesters Johannes“ in Verbindung. 1603 ff. der Jesuit Pedro Paez bereist A. und entdeckt die Quelle des Blauen Nil. 1613 der Jesuit Fernandez wirkt missionärisch und forscht in A. 1625 —32 der Jesuit Jerome Lobo wirkt missionärisch und forscht in A. 1650 'Thevenot, ein Franzose, dringt von Ägypten aus, über welches er die ersten wissenschaftlichen Mitteilungen gibt, auch nach A. 1681 (1691?) Job Ludolf giebt unter Mitwirkung eines abessinischen Patriarchen Aba Gregorios seine „Historia aethiopica, sive brevis et succincta descriptio regni Habessinorum“ heraus; besonders wichtig für die Ätbiopische Nomenklatur ist das 4. Kapitel des ı. Buches. 1698 Poncet, ein Franzose, durchzieht das Hochland A. und kommt bis nach Gondar. 1700 Paul Lucas dringt durch Ägypten und Nubien bis nach A. 1768 ff, James Bruce, ein Engländer, gelangt von der Küste des Roten Meeres nach Gondar, der damaligen Hauptstadt A.s. Er verweilte mehrere Jahre in A., wies unter anderem die Quellen des Blauen Nils jenseits des Tanasees nach und liess 1790 sein fünfbändiges Werk „Iravels into Abyssinia“ (deutsch 1790 bis 1792; neue Ausg. 60|61) erscheinen. 1809 Henry Salt und Lord Valentia bereisen die Küstenländer A.'s („Account of a voyage to Abyssinia,‘“ 1814). ‚Durchihre Forschungen besonders wurde die Wahrhaftigkeit der Bruce’schen (vielfach angefeindeten) Schilderungen festgestellt. 1816 Burckhardt, von der Afrikan. Gesellschaft ausgesandt, bereist die Wüsten am mittlern Nil bis nach A. hinein, 1825—26 Hemprich und Ehrenberg erforschen A.(H. } 30. Juni 1825 zu Massaua am Fieber). 1828—31 der Bischof Samuel Gobat wirkt als Missionär in A. 1830 ff. Karl Wilh. Isenberg ist als Missionär in A. (Schoa) thätig („Journals of the Rev. I. and Krapf in the kingdom of Shoa and journeys in other parts of Abyssinia 1839—42°; „A. und die evangel. Mission‘ (1844). 1831—34 der Frankfurter Wilhelm Rüppell forscht in A. und nimmt zahlreiche Ortsbestimmungen vor („Reise in A“, 1834—40, 2 Bde.; „Neue Wirbeltiere, zur Fauna A.’s gehörig“, 1835 bis 1840 etc.). 1834 Combes und Tamisier, Franzosen, bereisen A, („Voyage en Kgypte, en Nubie, en Abyssinie ete.“; 1838). enthalt als Missionär in A. 18357—42 Joh. Ludw. Krapf wirkt als Missionär in A. (Tigr& und Schoa). 1837—48 die Brüder d’Abbadie bereisen A., auch die südl. Landschaften Enarea und Kafta („Catalogue raisonn& „Geodesie d’Ethiopie“, 1860—73 etc.). 1837—78 W. Schimper erforscht, im Semien angesiedelt und unter dem Ras Übie sogar zum Statthalter der Landschaft Antitscho ernannt, A. (F im Oktober 1878 zu Adaua). 1845—48), Ferret und Galinier („Voyage en A.*, 1847—48) bereisen A. 1839—45 Rochet d’H£rieourt bereist A. 1841 W. C. Harris, ein engl. Kapitän, reist im Auftrag der englischen Regierung nach Schoa. Die Deutschen Bernatz und Joh. Rud. Roth, sowie Charles Beke und ein engl. Kapitän Graham begleiten ihn. H. veröffentlicht über seine auf dieser Reise gesammelten Kenntnisse: „The Hishlands of Aethiopia“ (deutsch: „Gesandtschaftsreise nach Schoa und Aufenthalt in Süd-A. 1841 bis 1843“); Grahams Briefe „Glimpses of Abyssinia“ erschienen erst 1868. 1843 ff. Parkins bereist A. 1843—60 W. Ch. Plowden weilt seit 1848 als englischer Konsul in A. und stirbt 1860 in Gondar („Travels in Abyssinia ete.“‘; 1868). 1847 fi. Zander bereist A. 1852 Reitz bereist A. 1853 Armould d’Abbadie weilt zum zweiten Male in A. („Douzeans dans la Haute-Ethiopie“, 1868, 2 Bde.). 1855 Missionär Flad bereist A. 1857 Missionär Sapeto giebt seinen „Viaggio e missione cattolica fra i Mensa, i Bogos e gli Habab“ heraus. 1859 Antinori durchzieht die abessinischen Gebirge. 1859 ff. Waldmeier und Salzmüller forschen in A. 1860 Charles Duncan Cameron wird engl. Konsul für Abessinien, begleitet den Herzog von Koburg-Gotha nach den Bogosländern. Seine letzte Reise nach Gondar, Kaiser Theodors Residenz, wurde die Veranlassung zum englischabessinischen Kriege. 1862 Alfr. Edm. Brehm bereist A. („Ergebnisse einer Reise nach Habesch‘“1863). 1862 v. Heuglin und Steudner bereisen A. und besuchen Adoa, Gondar, Magdala ete, 1862 ff. Guillaume Lejean weilt als französ. Konsul in A. („Voyage en A. 1862 et 1864“; Paris 1873). Kaufmann in-Ägypten, reist über Sennar nach A., besucht mit Lejean Kaiser Theodor in Debra Tabor und kehrt über Massaua zurück. Auf dem Rückmarsch der engl. Expedition, welcher er sich angeschlossen hatte, kam er durch einen yäuberischen Überfall ums Leben. 1864 ff. Werner Munzinger, seit 1865 . als britischer, seit 1868 als französ. Konsul, seit 1878 als ägypt. Gouverneur in Massaua, erforscht die nördlichen und nordöstlichen Grenzländer A.s („Ostafrikanische Studien“, 1864; „Vocabulaire de la langue de Tigr6‘“ 1865). 1864 v. Krockow-Wickerode bereist Nordostafrika und A. in den Gegenden am Setit und Atbara, 1867—68 Krieg der Engländer, durch welchen A. bekannter wird als kaum ein zweites Land Afrikas. 1868 Rohlfs begleitet die englische Armee auf der abessinischen Expedition („Im Auftrag des Königs von Preussen mit dem englischen Expeditionskorps in A.“ 1869). 1868 Joseph Halevy besucht von Massaua aus das nördliche A., um die Religion der Pseudojuden zu erforschen. 1870 ital. Kolonie im Bogosland. -1870—74 Reisen von Issel, Munzinger, Antinori, Piaggia, Rolfe, Rokeby, Hildebrandt, Jonveaux und Raffray. 1874—76 Reisen von Zichy, Mitchell, Reinisch, Cosson, Körner u. a. 1876 italienische Expedition unter Leitung Antinori’s, in dessen Begleitung Gecchi, Chiatini und Martini sich befanden, vom Hafen Zeila aus nach A.; Errichtung der geogr. Station zu Let-Marefia. 1878 Matteucei durchreist im Auftrag der Handelsgeographischen Gesellschaft von Italien A. bis zur Nordgrenze von Schoa (,In Abissinia‘“, 1880). 1879 S. Bianchi forscht in A. und reist über Debra Tabor nach Schoa, Kabena und Godjam. 1879 (7 5. Oktbr.) Giovanni Chiarini, Mitglied der Antinori’schen Expedition, stirbt zu Khialla im Lande der Ghera. 1880 Rohlfs und Stecker begeben sich nach A., um einen Brief des deutschen Kaisers an den Negus zu übergeben; Stecker erforscht den Tanasee etc. 1880—81 der Spanier Abargues de Sosten reist im Auftrag seines Königs zum Negus von A. 1884 (Septbr.) Bianchi, auf einer neuen Reise nach A. begriffen, wird mit seinen sämtlichen Begleitern in der Nähe der abessinischen Grenze v. Gallas ermordet.