Lagos, Küstenplatz im nördlichen Ober-Guinea, Hauptort eines zur engl. Goldküste-Kolonie gehörigen, an der Sklavenküste belegenen Territoriums; am westlichen Ende der Insel Kuramo oder Awani, welche vom Festlande durch die Kradu-Lagune geschieden ist; nahe der Einmündung des Ogun oder Agun (60 28° n. Br., 1° 6‘ 36“ östl. Br.); 30 000, nach Abb& Bouche 36 000 Einw.; einschliesslich des zu Lagos gehörigen Gebietes: 75270 Einwohner. Der Name „Lagos“ ist’ portugiesischen Ursprungs und bedeutet soviel wie „Seeen“. Bei den Eingeborenen heisst die Stadt „Eko“ (eine Verdrehung des portugiesischen Wortes), (auch „Omi“ oder „Ahoni* geschrieben) zu sein scheint. Die niedrige und sumpfige Insel, auf welcher Lagos gelegen ist, misst etwa 5 km von Ost nach West und !/, km von Süd nach Nord. Die Lagune, welche ihre Nordgrenze bildet, ist schiffbar und steht in direkter Verbindung mit # Yoruba, dessen Flüsse sämtlich hier # einmünden, wodurch für Lagos das weite reiche Hinterland offen liegt. Der Agun-Fluss, welcher gleichfalls in die Kradu-Lagune mündet, ist bis nachAbbeokuta hinauf schiffbar. Der Lagos-Fluss selbst, welcher die Lagune mit dem Meere verbindet, ist sehr breit und nur 9—6 km lang. Er bildet den Hafen der Stadt und 1 gewährt Schiffen von 3,50 m Tielgang Zutritt. Die die Einfahrt hindernde Barre ist während der trockuen Zeit nicht hinderlich, aber zur Regenzeit gefahrvoll. Lagos steht ferner im Westen durch die Ossa-Lagune mit dem französischen Gebiete von 1 Porto-Novo in Verbindung. Die Franzosen hatten vor der englischen Besitznakme fast das Monopol desselben in den Händen. Seitdem England hier einen hohen Zoll er 7 hebt, sind die Franzosen zurückge- 1 gangen, besitzen aber noch immer hier ihre Handelszentrale. Auch deutsche, brasilische und portugiesische Faktoreien sind hier befindlich. Die Ausfuhr bezifferte sich während der letzten # lionen Franes pro Jahr; Schiffe lau fen jährlich 200—250 im Hafen von 7 Lagos ein. Die Stadt ist auf der westlichen Spitze der Insel erbaut. Sie besteht aus zwei Teilen: dem Negerviertel, welches sich nördlich an der Lagune erstreckt und dem europäischen Viertel im Süden. Das letztere hat mehrere schöne Häuser, die von Gärten umgeben sind, Kirchen der verschiedenen christlichen Sekten und die Gebäude der englischen Regierungs- und Verwaltungsbehörden. Die Strassen des Negerviertels sind krumm und schmal und in schlechtem Zustande; sie gleichen in ihrer Unregelmässigkeit denjenigen aller grossen Negerorte des Innern und des Littorale. Die Bevölkerung ist ein Gemisch aus Nag0s, Djedjes, Kreolen, Sierra-Leonern, Haussas und Muselmännern, die aus verschiedenen Ländern stammen. Die europäischen Händler und die weissen in den Faktoreien angestellten Weissen sind in der Minderheit. Die Neger treten dem Weissen hier nicht im entferntesten mit jenem Respekt entgegen, welcher ihm in Dahome und Porto-Novo erzeigt wird. Die schwarzen Kerle sind vor Stolz hier förmlich aufgebläht. Es wird ihnen eine übermässigeBegünstigung eingeräumt, so dass es hier durchaus unklug für einen Weissen ist, sich mit ihnen in Streit einzulassen. Der Islam hat unter ihnen grosse Fortschritte gemacht, man zählte 1881 beinahe 10000 Muselmänner neben 20000 Heiden; ausserdem 3600 protestantische und katholische Christen. Lagos war ehemals mit Weidah der wichtigste Sklavenmarkt. Die Franzosen errichteten hier unter Lndwigs XIV. Regierung ein Fort. Die englische Regierung bemächtigte sich 1851, nach zwei blutigen Kämpfen, der Stadt und errichtete hier zum Zweck der Ausrotiung des Sklavenhandels eine Zentralstation. 1861 erreichte dieselbe gegen Zahlung einer Jahresrente vonmehrerenSäckenKaurimuscheln die völlige Abtretung der Stadt und des Küstengebietes von dem Negerhäuptling, 1862 sogar für Aussetzung einer weiteren Rente das den Kradu-See auf der einen Seite umschliessende Land bis Leckie, auf der andern Seite das Land bis Bada-Sry, halbwegs von Weidah. Im Jahre 1374 wurde das Lagos - Gebiet mit dem Gouvernement der Goldküste (s. d.) verschmolzen. Die Grenze zwischen Lagos und dem französischen Gebiet von Porto-Novo im Westen wird durch den kleinen Hafen von Badagry gebildet.