Dahom& (Dahomey), Negerkönigreich am nördl. Guinea. Über Aus: dehnung, Grenzen und’ politischen Machtbereich desselben sind die Angaben der Geographen sowohl wie der Forscher höchst verschieden. Im allgemeinen aber versteht man unter dem Namen „D.“ alles Land, welches sich am Golfe von Guinea vom Voltafluss (der Grenze zwischen Goldküste und Aschanti-Reich) bis zum Oparafluss, der zwischen Weidah und Bahagry, wenig entfernt vom Lagos-Fluss in die Lagune von Porto Novo mündet, also nahezu über 21/5 Grade (= ca. 280 km) von West nach Ost (bis 6°30° n. Br.) erstreckt. Seine Ausdehnung nach dem Innern ist uns nicht bekannt; man glaubt, dass dieselbe etwa im 9. Breitengrade, im mittlern Nigerbecken, ihr Ende findet. Der vom Guineabusen bespülte Teil ist unter dem Namen „Sklavenküste“ bekannt. Diese ganze Küste ist niedriges Schwemmland, zum weitaus grössten Teile von Lagunen besetzt, welche bald schmal, bald wieder von beträchtlicher Breite sind und durch einen Sandstreifen vom Meere getrennt werden. An verschiedenen Stellen dringen die Lagunen tief ins Innere, derart, dass sie zu gewissen Zeiten des Jahres das Aussehen weiter Seeen zeigen, während sie dann wieder zu sumpfigen Tümpeln sich verwandeln, deren Oberfläche derjenigen festen Landes gleich sieht. Hinter der Küste, die ihrer Fieber wegen dem Europäer wie auch dem Eingeborenen gefährlich ist, steigt das Land langsam bergan und zeigt bald eine malerische, überreiche. Vegetation. Die teils mit Riffen besetzte Küste bietet fast überall einen schwierigen Zugang. Sie hat nicht eine einzige Einbuchtung, welche den Namen eines Hafens verdiente, und auch die grösste Zahl der von den Flüssen gebildeten Einfahrten sind dem Schiffer gefahrvoll ihrer Barren wegen. Nichtsdestoweniger ist die Küste mit Dörfern und grösseren Ortschaften der Eingeborenen dicht besetzt; und nicht wenige derselben haben europäische Faktoreien; die wichtigsten sind: Keta (Quitta, Kita), Bagida, Klein- und Gross-Povo, Weida (Whydah), Porto Novo, Badagry und Lagos. Hier hat, wie bekannt, der deutsche Handel in den letzten Jahren stark Fuss gefasst. Was die Europäer vom Innern des Landes gesehen haben, beschränkt sich im wesentlichen noch immer auf die Route von der Küste (Weida) nach Abome; an derselben liegen die Orte: Sawelh (wo die Franzosen früher eine Zweigstation von Weida unterhielten), Tolli (wo einer der Hauptmärkte des Landes gehalten wird), Allada (ehemals die Hauptstadteines gleichnamigenkleinen Reichs), endlich Cana oder Canamina (heilige Stadt, 2 Stunden von Abome). Die Bevölkerung von D. wird von verschiedenen der europ. Reisenden auf 90V 000 Seelen angegeben; Rich. Burton dagegen schätzte sie auf kaum 150000. Der Grund für diese Verschiedenheit der Angaben liegt in der Unkenntnis der genauen Grenzen D.s; nach dem wenigen, was man vom Innern bislang gesehen hat, scheint das Land ziemlich dicht bevölkert und zahlreiche Ortschaften zu besitzen. Die Bevölkerung zeigt, ähnlich derjenigen des Aschanti-Reichs, die beiden in Guinea vorhandenen Negertypen: den niedern, der durch körperliche Hässlichkeit und niedrigste Geistesentwickelung charakterisiert wird und dem eigentlichen Volke angehört, und den höhern, der herrschenden Klasse eignen T'ypus, der sich durch ein fast europäisches Profil und höhere intellektuelle, wie moralische Befähigung auszeichnet. Die Sprache der Dahomeer wird von ihnen Ffon (Fauin, Foi) genannt (was an den Namen der Fan erinnert); sie steht in Verwandtschaft mit dem Ewe, dem Joruba, dem Odji (der Aschantisprache) und anderen im nördl. Guinea, zwischen dem Assini und dem untern Niger, gesprochenen Idiomen. Die Regierungsform ist die absolute Monarchie; der Herrscher ist unbeschränkter Herr über Leben und Eigentum eines jeden seiner Unterthanen. Dahome ist militärisch organisiert; der König aber wählt die Häuptlinge (cabocir) der Städte und Dörfer selbst; dieselben sind verpNichtet, eine bestimmte Kriegerschar auf eigene‘ Kosten zu unterhalten, und auf den ersten Wink des Königs diesem zuzuführen. Eine besondere Armee-Institution D.s sind die Amazonen-Leibgarde des Königs (weibl. Soldaten), deren Stärke sich auf 5000 Köpfe beläuft. Die Religion des Dahomeers ist der Fetischismns in seiner rohesten Form. Menschenopfer stehen noch auf der Tagesordnung. Der Handel D.s beschränkt sich, seitdem England dem Sklavenhandel Schranken gesetzt hat, im wesentlichen auf Palmöl und Palmkerne; indessen könnte die Ausfuhr, wenn Anbau und Gewinnung regelrechte wären, um vieles bedeutender sein, als sie es zur Zeit ist Die herrschende Münze für den Kleinhandel sind noch Kauris, von denen je 40 Stück auf einen String gezogen sind (50 Strings = 2000 Stück —1 Sh,; 200U9UV-1V Sh. — ca. 30 Kilo im Gewicht); an der Küste bedient man sich hauptsächlich der 2 Sh.-Stücke; überhaupt nimmt der Gebrauch des Geldes als Handelsmittel von Jahr zu Jahr zu. Die Gewerbthätigkeit ist sehr unbedeutend; die Eingeborenen verstehen wohl die Weberei ‚und Färberei und verfertisen Leder und Eisenwaren, treiben auch Töpferei, aber von allem nicht viel. Dagegen sind alle gewandt im Handel, wiewohl auch hierin die Frauen die wichtigste Rolle spielen.