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Sport & SpielFrauenzimmer-Lexicon 1715

Bär, Ursus, l’ Ours, weil der Bär ein wildes, zorniges und rachgieriges Thier ist, meynen ihrer viele, sein Wildpret könne als etwas ungesundes, nicht verspeiset werden. Lonicerus schreibet im dritten Theil seines Kräuter-Buchs, daß das Bären-Fleisch schleimigt, unverdaulich sey, und böse Nahrung gebe, auch daher mehr zur Artzney als zur Speise gehöre. Ja die Alten haben nach Coleri Bericht in seiner Oeconomia das Bären Gehirn gar vor gifftig gehalten, weßwegen sie auch die Bären-Köpffe verbrannt, damit es niemand essen und davon von Sinnen kommen möchte. So sehr kan offt eine falsche Einbildung ein Ding verhast machen, und mag auch die Ursache seyn, daß in denen Gesang-Büchern in dem bekannten Tisch-Liebe: Singen wir aus Hertzen-Grund etc. diese Worte: Hirsche, Bären, Rinder und Schwein also geändert worden:

Hirsche, Schaafe, Rinder und Schwein etc. Jetzt angeführter Colerus aber ist gantz anderer Meynung, denn er schreibet, daß das Bären-Wildpret nicht nur ein feines, weisses und süsses Fleisch sey, sondern viel Leute hielten solches besser, als das Rehe: zwar ist dieses nicht eben zu bejahen, doch kan man dieses gewiß versichern, daß das Bären-Wildpret heut zu Tage gar sehr beliebet werde, welches man an grosser Herren Tafeln bemercken kan; daselbst wird ein Etat sonderlich von Bären-Tatzen und dem Kopff gemacht, und als eine delicatesse aufgetragen, wie aus folgender Zurichtung erhellet.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 164–165Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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