FeedSchwan, Cygnus
TierreichRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Schwan, Cygnus, Hält sich die meiste Zeit in den Strömen und Teichen auf, also daß er unter unsern Wasser-Vögeln, theils wegen seiner ansehnlichen Gestalt, theils wegen seiner schneeweissen Farbe, billig voran stehet. Seine Federn sind zwar weiß, aber die Haut schwartz, daher er das Bild eines Heuchlers, der auswendig anders, als inwendig beschaffen ist, vorstellet. Bey den alten Römern ist das Fleisch der Schwanen hochgehalten worden, daß sie solche in finstern Kammern gemästet haben. Bey den Juden aber wurde der Schwan unter die unreinen Thiere gerechnet, welchen sie nicht essen durften, 5 Buch Mose 14, 17. Jhr Fleisch ist schwartz, unangenehm und unverdaulich zu essen, insonderheit haben die alten ein hartes und ungeschmacktes Fleisch; im Sommer sind sie fleischigter und fetter, als im Winter, da sie so gute Nahrung nicht haben. Jhre schöne weisse Federn pflegt man ihnen des Jahrs zweymal abzurupffen, und für grosse Herren weiche Betten daraus zu machen. Die Haut, mit den Pflaumen gar gemacht, giebt ein zartes, warmes und dem Magen sonderlich dienendes Peltzwerck. Der Schwan ist dem Phœbo und den Musen von den Poeten geheiliget. Der Schwanen-Gesang, welchen sie kurtz vor ihrem Ende sollen von sich hören lassen, wird billig für ein Gedicht gehalten. Die Jagd der wilden Schwanen anlangend, ist solche in Dännemarck eine sonderliche Lust, welche zu gewissen Jahrs-Zeiten vorgenommen, und nahe bey den Jnseln vollzogen wird, da dann etliche hundert Stück erschossen werden.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 2089–2090Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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