Blinde-Kuh, Ist ein dem jungen und lustigen Weibes-Volck gebräuchliches Spiel und Zeitvertreib, wenn nemlich sie unter einander oder auch mit Mannsvolck vergesellschafftet einen runden Creyß schliessen, einem aus ihrem Mittel die Augen mit einem Tüchlein feste zu binden, selbige in die Mitten des Creysses führen, und hernach solche blinde Jungfer um sich greiffen heissen, ob sie eine von ihnen ertappen kan, erwischt sie eine, muß sie die Person mit Nahmen nennen, trifft sie es nicht, muß sie weiter gehen, trifft sie es aber, so wird sie von solcher Person, so sie erhascht, abgelöset.
Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 229Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0