FeedCleobulina
Literatur & SpracheFrauenzimmer-Lexicon 1715

Cleobulina, Des Cleobuli Lindii, eines der Sieben Weisen in Griechenland Tochter, hieß sonsten Eumetide oder Eumele, ist eine vortreffliche Poetin und sehr erfahrne Philosopha gewesen. Sie hatte sich sonderlich in Hexametrischen Versen sehen lassen, auch darinnen viel Rätzel geschrieben, von welchen allen aber nur noch ein einiges zu finden. Solches ist aus dem Griechischen Text bey der Ubersetzung folgender Gestalt gerathen:

Sagt! welcher Vater ists wohl? der zwölff Kinder hegt, Davon ein jegliches kan dreyßig wieder weissen, Wiewohl dieselben nicht von gleicher Farbe heissen, Weil jenes sich gantz weiß, diß aber schwärtzlich trägt. Sie sind zwar allerseits unsterblich zu benennen, Und doch wird keines leicht zwey Tage leben können.

wodurch sie das Jahr von 12. Monathen, deren jeder dreißig Tage hat, so halb bey Licht, halb im finstern ihren Lauff haben, verstanden wissen will. Cratinus gedencket dieser Cleobuline gleichfalls in einer Fabel, so er auch Cleobulinus nennet. Siehe den Laetium in Cleobulo, und Athenæum L. 4. c. 21.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 360–361Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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