Graja, Johanna, oder Jana, des Hertzogs von Suffolck in Engelland gelehrte Tochter, Gilfordi Dudleji, Hertzogs in Nordhumbrien Gemahlin, eine ausbündig gelehrte Princeßin, welche die Lateinische, Griechische und Hebräische Sprache, auch schon in ihren zartesten Jahren fertig reden und schreiben konte. Der Autor Heroologiæ Anglicæ p. 33. leget ihr ein nicht geringes Lob bey, und die gelehrte von Schurmann nennet sie in einer Epistel an D. Andream Rivetum, eine unvergleichliche Vorschrifft und Beyspiel aller Princeßinnen, dergleichen man an allen Orten und Enden der Welt nimmermehr wieder auffweisen würde. Ja die berühmte Demoiselle Jaquette Guillaume in ihren illustres Dames. p. 282. rühmet sie sehr hoch. Nach dem Tode Henrici VIII. wurde sie, wiewohl wider ihren Willen, massen sie viel lieber mit gelehrten Büchern, als mit Cron und Scepter zu thun haben wolte, als Königin ausgeruffen, da aber der Maria, des verstorbenen Henrici VIII. Tochter, Parthey überhand nahm, wurde sie, als sie 10. Tage nur die Crone gehabt, mit ihrem Vater und Gemahl, innerhalb den Ringmauern des Thurms von Londen, nach gegebenen Beyspiele sonderbahrer Großmüthigkeit und Beständigkeit, weil sie einen rechten heroischen Geist von sich blicken liesse, enthauptet. Vid. Gratian. in Casibus Virorum illustr. p 273. seq. Vor ihrem Ende soll sie sich haben verlauten lassen, daß ihr auf der gantzen Welt nichts so lieb gewesen, als daß sie die drey gelehrtesten Sprachen erlernet: dem Hauptmann des Tours, Nahmens, Thomas Bridgis, der bey ihr gewachet, soll sie noch vor ihrer Enthauptung 3. Sprüche Griechisch, Lateinisch und Hebräisch in seine Schreibe-Tafel geschrieben haben. Der damahlige Gerichts-Præsident Morgan, der ihr das Todes-Urthel vorgelesen, ist nach ihrer Hinrichtung in eine entsetzliche Raserey gefallen, worinnen er biß an sein Ende stets geschriehen, man solle ihm doch die Princeßin Jana vom Halse schaffen. In dem Gefängniß hat sie ein Lateinisches Distichon aufgesetzt, welches übersetzet also klinget:
Das Schicksaal ist nicht als was fremdes anzusehen, Was mir heunt wiederfährt, kan morgen dir geschehen.
Von dem Tage und Jahre ihrer Enthauptung sind die Scribenten nicht einig, indem etliche, wie Larreus in Histor. Angl. Scot. & Hibern. p. 762. das 1553. etliche das 1554. wie Ziegler in seinem Schauplatz der Zeit p. 128. einige aber das 1555. Jahr, wie Hubnerus in historischen Fragen P. II. p. 937. setzen. Kurtz vor ihrem Tode hat sie ihrer Schwester der Gräfin von Pembrock das Griechische Testament mit einer netten Griechischen Epistel gesendet. Vid. Neocor. & Sickium in Biblioth. Libr. Novor. T. IV. p. 208. Von ihren Schrifften in Englischer Sprache sind bekandt: 1) Epistola ad eruditum hominem, qui a virtute verbi Divini defecit. 2) Colloquium cum Fecknaimo de ejus fide & sententia de Sacramento. 3) das Leben der Königin Christina in Schweden. 4) Epistola, quam ad suam sororem scripsit, una cum sermone, quem mox decollanda in Theatro habuit.