Hervela, oder, Harlotta, auch Aclotta Genannt, war ein gemeines Kürschner-Mägdlein, wurde aber von Roberto oder Rollo, Könige aus der Normandie, der sich, als er sie einsmahls tantzen sahe, in sie verliebet, zur Gemahlin angenommen, mit welcher er auch den Weltberühmten Wilhelmum Conque storem erzeuget. Sie war von solcher Bescheidenheit und Ehrerbietung gegen den König, daß, als sie das erstemahl mit selbigen zu Bette gienge, sie ihr Hembde von oben biß unten aufrisse, selbiges von einander theilete, und zu ihrem Gemahl sagte: Es würde nicht wohl stehen, wenn sie den Saum ihres Hembdes, der ihr um die Füsse gehangen, an den Mund ihres so theuren Gemahls brächte.
Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 813Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0