FeedMargaretha
GeschichteFrauenzimmer-Lexicon 1715

Margaretha, Von Parma, Gouvernantin, der Spanischen Niederlande, eine natürliche Tochter Käysers Caroli V. und sein erstes Kind, so er An. 1512. zu Oudenarde mit einer adelichen Dame, Margaretha van Geste, gezeuget hatte. A. 1536. ward sie mit Alexandern de Medicis, Hertzogen von Toscana und einem natürlichen Sohne Pabsts Clementis VII. vermählet, so aber Jahres drauf, auf Anstifften seines Vettern Laurentii ermordet worden. A. 1538. bekam sie den Hertzog von Parmä Octavium von Farnese, dessen Vater Aloysius Pabsts Pauli III. unächter Sohn gewesen, zum Gemahl, unerachtet sie viel andere Fürsten zur Gemahlin begehrten. Allem Ansehen aber nach war sie mit der andern Vermählung nicht allzu vergnügt, wie sie denn selber einsmahls im Schertz gesaget: Sie sey gleichsam vom Himmel zu solchen Männern versehen, welche sich gar nicht vor sie schickten; denn als sie noch ein zwölffjähriges Mägdlein gewesen, habe sie einen Gemahl von 27. Jahren bekommen, nun aber, da sie schon eine Frau wäre, würde ihr ein Knabe von 13. Jahren zum Gemahl gegeben. Inzwischen war sie eine Dame nicht nur von sonderbahrer Leibes-Stärcke, gestalt sie ein recht männliches Gesichte hatte, auch im weiblichen-Habit ein Mann zu seyn schiene, sondern sie besaß auch einen rechten heroischen Geist und tapfferes Gemüthe. A. 1559. ward sie von ihrem Bruder Philippo II. bey denen damahligen verwirrten und gefährlichen Zeiten denen Niederlanden als Gouvernantin vorgestellet, welches Regiment sie auch so klug und tapffer verwaltet, daß man sich würcklich die Hoffnung machte, es würde dadurch das Krieges-Feuer wieder gelöschet werden, wofern nicht der Hertzog von Albanien A. 1567. ihre progressen verhindert. Durch ihre Tapfferkeit zwang sie die Stadt Antwerpen zur Ubergabe, worein sie mit ihrer Besatzung im grösten Triumph gezogen. In allen männlichen Ubungen hat sie es vielen Männern zuvor gethan, absonderlich war sie eine Jagt verständige, weßwegen sie auch insgemein um selbige von denen andern ihres Nahmens zu distinguiren, die Jägerin genennet ward; ihre Ober-Leffze hatte einen männlichen Bart, und ward sie öffters vom Podagra hart angegriffen. Endlich starb sie A. 1568. zu Ortonna im Neapolitanischen, nachdem sie vorher das Glück und Vergnügen gehabt, daß einer von ihren beyden Söhnen, nehmlich der berühmte Alexander von Parma Stadhalter in denen Niederlanden geworden. Meteran. Niederl. Histor. Strad. d. Bell. Belgic. Dec. I. L. 3. p. 26. Grot. in Annal. Belgic. L. 1. Thuan. L. 21. Histor.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 1218–1219Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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