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GeschichteFrauenzimmer-Lexicon 1715

Liberata, S. sonst Wilgefortis auch bey denen Niederländern Ont Kommera genannt, des Königs in Portugall Tochter, und wieder ihres heydnischen Vaters Wissen eine heimliche Christin, die Schönste unter allen Frauens-Personen im Königreiche, ward nach ihrer Mutter Tode von ihren Vater zur Ehe verlanget, über welches unvernünftige Ansinnen sie hertzlich erschrack, und selbiges auff alle Art abzulehnen suchte, weil aber ihr Vater sie mit Gewalt darzu zwingen wolte, seufftzete sie zu GOtt recht inständig, er möchte doch ihre Schönheit von ihr nehmen, und dasjenige, was ihren geilen Vater reitzete, an ihr verändern. Welches auch in der That erfolget, angesehen sie den folgenden Tag darauff nicht mehr als eine Weibes-Person, sondern wie ein Mann, durch ihre jähe Veränderung, aussahe, weil sie einen langen und rauhen Bart in einer einigen Nacht bekahm, welches auch ihres Vaters unordentliche Brunst gedämpffet, und ihn nunmehr dahin gebracht, daß er von seinem wunderlichen Vorsatz abgestanden. Und ob diese seine Christl. Tochter gleich von diesen ihren Anliegen dadurch befreyet ward, so ließ er doch seine Wuth, dieweil er erfuhr, daß sie heimlich den Christl. Glauben angenommen, anderweitig gegen selbige blicken, indem er sie auf das allergrausamste martern und endlich an das Creutze nageln ließ, woran sie als eine beständige Martyrin ihren frommen Geist auffgab.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 1155–1156Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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