Kunigunda, Käysers Henrici Gemahlin, soll von ihrem Gemahl die gantze Zeit ihres Ehestandes über nicht einmahl berühret worden u. eine immer währende reine Jungfer geblieben seyn, auch nach ihrem Tode A. 118. viel Wunder die Welt erblicken lassen. Ohngeachtet nun ihr Gemahl sie als eine Keuschheit liebende und schamhaffte Gemahlin niemahls berühret, so schiene er doch dermahleinst, als sie einen Soldaten etwas freundlich ansahe, auf selbige aus einer unverhofften Eyfersucht einen üblen Argwohn zu legen. Als sie aber solches verspürte, liesse sie um ihre Unschuld öffentlich zu proben und darzuthun, in Gegenwart des Käysers etliche glühende Eisen auf die Erde werffen, lieff über selbige mit blosen Füssen sonder einigen Schmertz, und sagte zu ihrem Gemahl: Sehet da! so rein und unverletzt ich von dieser Glut und Feuer verblieben, so rein und unverletzt ist auch noch mein Liebes-Feuer gegen euch. Worüber der Käyser ihr zun Füssen gefallen mit Versicherung, daß er sie niemahls in dergleichen Verdacht gehabt hätte, mit selbiger auch biß an sein Ende als mit einer reinen Jungfer gelebet. Nach D. Matthiæ Bericht, den er in seinem Buch de Signis Falsæ Ecclesiæ §. 13. p. 25. erstattet, soll diese Kunigunda eine scheinheilige gewesen seyn, und viel auf heimliche Abgötterey gehalten haben.