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GeschichteFrauenzimmer-Lexicon 1715

Ludomilla, Graf Albrechts von Pogen hinterlassene Wittbe und Hertzog Primislai aus Böhmen Tochter, eine listige und verschlagene Dame, so Ludovicum, Hertzog in Bayern, so sich in sie hefftig verliebet, und selbige zu einem verbothenen Liebes-Werck zu beschwatzen gedachte, auff eine listige Art fang. Denn als einsmahls dieser entbrannte Liebhaber zu ihr, in das Schlaff-Gemach kam, und ihr alle ersinnliche Caressen machte, wolte diese Ludomilla in sein Begehren nicht einwilligen, als mit dem Versprechen, daß er sie hernach sich ehlich beylegen ließ. Weil nun Ludovicus, der doch an nichts weniger, als die Ehe, dachte, vermeynte, daß es nichts zu bedeuten, angesehen er mit der Gräfin gantz alleine, und ihr also memand zeugen könte, gab er sein verstelltes Jawort gar bald von sich, worauff sich die Gräfin gegen drey in die Wand-Tapeten des Zimmers eingewürckte Ritter gleichsam im Schertz wendete, und diese 3. Bilder als Zeugen ihres Ehe-Verlöbnisses anruffete. Ludovicus trug wenig Bedencken, sein Ja nochmahlen zu wiederhohlen, und diese 3. stummen Zeugen gar willig anzunehmen; weilen aber die listige Ludomilla drey vornehme rechte Ritter hinter diese Tapeten verstecket, zog sie selbige geschwind hinweg, und fragte den Hertzog, ob dieses nicht Zeugen genung wären, worüber er zwar erschrack, doch als er sich wegen seines Versprechens durch ihre List überzeuget sahe, war er endlich willfährig sich nunmehro im Ernst mit ihr zu vermählen, aus welcher Ehe ihm zwey Printze gebohren wurden.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 1176–1177Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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