FeedMargaretha
GeschichteFrauenzimmer-Lexicon 1715

Margaretha, Hertzog Heinrichs in Kärndten, Grafens in Tyrol, und Adelheits, einer Hertzogin von Braunschweig, tapffere und behertzte Tochter, so wegen ihres unförmlichen Mauls die Maultasch benennet ward. Nach ihres Vaters Tode wolte sie eine Erbin von allen seinen Ländern seyn, sie muste aber nur mit Tyrol vorlieb nehmen, weil der Käyser das Hauß Oesterreich mit Kärndten belehnet hatte, worzu die Kärndtischen Land-Stände den Käyser selbst angeflammet hatten. Worüber diese Margaretha so entzündet ward, daß sie die Kärndter mit Feuer und Schwerdt heimsuchte. Sie eroberte auch unterschiedene Schlösser, und ließ überall Zeichen ihrer Grausamkeit hinter sich; Endlich kam es gar zu einem grossen Treffen, worinnen die Oesterreichisch-Gesinneten in die Flucht geschlagen wurden. Sie befand sich mehrentheils bey denen Belagetungen in Person, um ihre Officiers und Soldaten durch ihre Gegenwart zu desto grösserer Tapfferkeit aufzumuntern. Und als sie eben vor dem festen Schlosse Osterwitz lage, kam ihr ein Schreiben in die Hand, darinnen ihr der getroffene Vergleich mit Oesterreich kund gemacht wurde, worauf sie die Waffen niederlegte, und sich wieder in ihre Residentz Inspruck begab. Bey Lebzeiten ihres Vaters hatte [ ] sie sich mit dem Böhmischen Printzen Johanne, Käysers Caroli IV. Bruder, vermählet, weil er aber eines stillen Humeurs war, konte sie ihn nicht wohl leiden, ja endlich beschuldigte sie ihn gar, daß er zum Ehestand untüchtig wäre, ohngeachtet hernach die Erfahrung bey seiner andern Gemahlin das Gegenspiel auswiese. Letztens, als dieser ihr Gemahl einstens auf die Jagd geritten war, wolte diese Margaretha ihn bey seiner Rückkunfft nicht wieder auf das Schloß Tyrol zu sich lassen, er ritte von einer Festung zur andern, ward aber, weil Margaretha solches befohlen hatte, aller Orten abgewiesen, und muste sich also wieder nach Böhmen begeben. Unterdessen aber hatte Margaretha mit dem Käyser Ludovico Bavaro heimliche Tractaten gepflogen, daß sie seinen Sohn Ludovicum zum Gemahl nehmen, und ihme die Grafschafft Tyrol zuwenden wolte. Hierauf ließ der Käyser durch einen Bischoff die Ehe mit dem Böhmischen Printzen Johanne solenniter aufheben, und die andere Ehe mit seinem Printzen vollziehen, wobey dieses merckwürdig war, daß, da sie als eine vermählte Princessin nach damaliger Art einen Schleyer getragen, sie selbigen bey ihrer anderen Vermählung mit grosser Ceremonie in der Kirche auf einen Altar geleget, und einen Jungfer-Crantz auffgesetzet, mit ausdrücklicher Protestation, daß sie, ohngeachtet eines zehn-jährigen Ehestandes, gleichwol noch eine unverletzte Jungfer wäre. Sie lebte mit ihrem andern Gemahl 19. Jahr, und zeigete mit ihm einen Sohn, Meinhardum, genennt. Man will ihr Schuld geben, daß sie beyde mit Gifft hingerichtet, den Gemahl A. 1361. und den Sohn A. 1363. nachdem der letztere sich verlauten lassen, daß er die Untreue an seiner Mutter rächen wolte. Nach dem Tode ihres Sohnes, hat sie sich nicht wieder, wie einige meynen, an Rudolphum IV. vermählet, sondern die Grafschafft Tyrol dem Hause Oesterreich abgetreten, worauf sie A. 1366. zu Wien im Wittwen-Stande gestorben. Brandis Tyrol. Ehren-Crantz. Megiseri Annal. Carinth.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 1211–1213Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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