FeedMaria Austriaca
GeschichteFrauenzimmer-Lexicon 1715

Maria Austriaca, Königin in Ungarn und Vöhmen, Käyser Carls des fünfften Schwester, Philippi Ertz-Hertzogs Tochter, so er mit der Johanna Arragonia erzeuget, und Ludovici Jagellonis in Ungern Gemahlin, war in der Lateinischen Sprache sehr gelehrt, und in der H. Schrifft wohl erfahren, hatte auch stets eine Bibel bey sich zu Hause und auch auf der Reise, war der Evangelischen Religion sehr geneigt, daher auch Käyser Carl sie einsmahls ermahnen lassen, sie solte zusehen, daß sie von den Pfaffen nicht verführet würde, als sie aber solches nicht groß achtete, wurde ihr Hof-Prediger, welcher der Evangel. Wahrheit Beyfall gab, gäntzlich abgeschaffet. Sie schlug in der Predigt alle Dicta nach, und hielte es dem Prediger gleich vor, wenn er etwan aus Unachtsamkeit etwas unrecht allegiret hatte. Nechst diesem war sie auch eine behertzte und recht heroische Dame, sintemal sie von ihrem Bruder Carl, weil sie nach ihres Gemahls Tode, der A. 1526. in der Schlacht blieb, nicht wieder zur andern Ehe schreiten wolte, zur Gouvernantin in Spanien erkläret ward, allwo sie auch ihr Regiment weise und tapffer geführet, sie fiel Henrico II. von Franckreich in die Piccardie ein, und verheerete alles was sie konte. Anno 1558. starb sie. Vid. Thuan. l. 10. p. 196.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 1230–1231Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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