Phryne, Eine berühmte und sehr schöne Hure zu Athen, welche, als sie wegen ihres üppigen und freyen Lebens vor Gerichte gefodert ward, und deßwegen daselbst bestraffet werden solte, ihre Brüste aus dem Schleyer hervor zog, und selbige vor dem Richter entblösete, wodurch sie die richtenden Personen dermassen verblendete und einnahm, daß sie ihr die Straffe schenckten. Ihre List und Verschlagenheit stehet auch hieraus zu ersehen. Als der berühmte Künstler Praxiteles sich in ihre Schönheit hefftig vergaffet, und ihr deßwegen erlaubte, das beste und künstlichste Stück von seiner Hand, als ein Geschencke auszubitten, schlosse die schlaue Phryne nicht unrecht, er möchte das beste Stück ihr nicht richtig angeben; Um solches nun auszuforschen, steckte sie sich hinter seinen Knecht, welcher, als Praxiteles einmahl einige von seinen Sachen auf dem Marckte feil hatte, geschwind zu seinem Herrn kommen, und ihm, wiewohl falsch, hinterbringen muste, wie daß sein Hauß in vollen Feuer stünde, auch etliche Stücke schon von seinen Sachen in die Asche geleget wären. Praxiteles erschrack nicht wenig darüber, fragte daher in voller Angst, ob sein Satyrus und Cupido noch stünde? Woraus die liftige Phryne schloß, es müste wohl solches Stück das beste seyn, und muste er ihr selbiges, wiewohl ungerne ausliefern. Ihre Ehren-Säule ist zu Delphis von Gold auffgerichtet worden, und Apelles nahm von ihr das Modell und Zeichnung ab, als er seine berühmte Venus verfertigte; Sie soll sich durch ihre löbliche Nahrung so viel Geld verdienet haben, daß sie sich einst erbothen, sie wolte die von dem Alexander zerstöhrten Stadt-Mauern zu Theben wieder anffbauen, wenn die Thebaner diese Worte drein graben liessen: Vom Alexander verstöhret, von der Phryne aber wieder auffgebauet. Cæl. Rhodig. L. 14. c. 15. & L. 20. c. 15. Antiquitat.