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Sitten & ModeFrauenzimmer-Lexicon 1715

Schuhe, Seynd die Bekleidung des Fusses, von Leder, Tuch, Damast, Sammet oder auch gar Brocard verfertiget, werden zuweilen mit Gold und Silber gesticket, meistentheils aber mit Tressen, Bande, Spitzen, Börtlein und Taffet-Falbala frisiret; In Italien waren ehemahls dem Frauenzimmer die so genannten Zoccoli gebräuchlich, welches durch Gorck- oder Pantoffel-Holtz erhöhete Schuhe hiessen, so fast eine halbe Elle hoch waren, und worinnen sich das Frauenzimmer muste führen lassen. Das Spanische Frauenzimmer rühmet sich, und zwar nicht unrecht, die allerkleinesten und schmälesten Schuhe zu haben, massen sie sich ihre ohnedeß sehr schmalen und netten Füßgen, von denen ersten Jahren gleich an, in enge Schuhe recht zwingen und einpressen lassen. Das Moscowitische Frauenvolck träget sehr hohe Absätze an ihren Schuhen, und lässet selbige mit subtilen Näglein beschlagen. Die höltzernen Schuhe, so die gemeinen Weibes-Bilder in Franckreich tragen, werden Galoschen genennet, in Engeland aber heissen sie a par of patten, und haben eiserne Sohlen, der vornehmen Englischen Weibes-Bilder hingegen heissen a pair of Clogs, so zwar von Leder sind, doch aber nur als Uberzüge über die rechten Schuhe im garstigen Wetter getragen werden, dergleichen haben sie auch a pair of wooden Clogs, so etwas Ledern, das meiste aber daran von Holtze ist, und werden von dem Frauenzimmer mittlern Standes getragen. Die bußfertigen Closter-Frauen der dritten Regul des H. Francisci in Teutschland tragen hohe höltzerne Schuhe an den blossen Füssen, die Capucinerinnen aber und ungeschuheten Carmeliter Closter-Frauen in Spanien und Franckreich gehen gantz barfuß. In der Christ-Nacht pflegen offtermahls die Weibes-Bilder allerhand Gauckeleyen und abergläubisches Wesen mit denen Schuhen vorzunehmen.

Gottlieb Siegmund Corvinus (Amaranthes), Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-LexiconLeipzig: Gleditsch 1715 · Sp. 1778–1779Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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