Bern, Jst eine schöne, reiche, mächtige und feste Stadt in Schweitzerland, an dem Fluß Aar gelegen. Sie ist gleichsam wie eine Zunge formiret, oder wie eine halbe Jnsel, ziemlich hoch erhaben, und gantz von gehauenen Steinen, samt grossen und breiten Gassen. Auf beyden Seiten stehen schöne Gewölber, doch sind die Häuser und Thüren einander so gleich, daß man sie nicht unterscheiden kan. Diese Stadt wird regieret von einem grossen Rath, bestehend in 300 Köpffen; der kleine Rath bestehet in 25 Rathsherren, welche aus der Zahl dieser 300 genommen. Jhre vornehmste Obrigkeit sind 2 Schultheissen, deren Ansehen und Gewalt, einiger Massen der Römer Bürgermeister Macht gleichet, und verwalten sie, wie diese Wechsels-Weise, ihr Amt ein Jahr lang. Diese Stadt hat ein grosses Gebiet, 72 Landvogteyen, und kan allein 60000 Mann ins Feld stellen. Aber in Bern ist sehr wenig Handlung und eigentlich keine, als die man zu der Stadt Nothdurfft vonnöthen hat. Hingegen blühen allda die freyen Künste, und hält die Stadt verschiedene Professores. Sonsten ist allhier zu sehen, die schöne grosse Haupt-Kirche oder das Münster, darinnen der Altar und der Tauffstein von schwartzen Marmor, das Rathhaus, Bärnhaus und Zeughaus, aus diesem kan mehr als 100000 Mann ins Feld ausrüsten; die Stadt ist der Reformirten Religion zugethan. Dieser Canton führet ein rothes Feld im Wappen, darinnen eine breite güldene Strasse, darauf ein Bär in die Höhe steiget.