Genf, Geneve, Grosse prächtige Stadt, welche mit dem Hertzogthum Savoyen umschlossen ist, und an dem Westlichen Ufer des Genfer-Sees lieget. Die Rhone sondert sie in 3 Theile ab. Sie ist wohl gebauet, treibet viel Handlung und Manufacturen, ist wohl befestiget, hat ein gutes Zeug-Haus und eine berühmte Universität, auf welcher gelehrte Professores und allerhand Exercitien-Meister sich befinden. Die öffentliche Bibliothec in dem Collegio bestehet in etlichen tausend Büchern. Die Regierung ist Aristocratisch, weilen die Vornehmsten, welche den Rath der Fünffundzwantziger aus 200 machen, das Regiment führen; sie halten fest über der Gerechtigkeit, und hilfft der weltliche Arm dem Geistlichen. Ausser denen zweyen erwehlten Räthen giebt es noch ein drittes Collegium, so aus 60 Personen bestehet, und dem Rath zuweilen an die Hand gehen muß. Die Stadt ist Calvini Lehre zugethan, und mit den Bernern und Zürchern verbunden, und lebet als eine Frey-Stadt. Die Genfer sind sehr freundliche, höfliche, kluge und verständige Leute, die meistens im Latein, in Streit-Fragen und denen Historien erfahren. Sie sind gute Schützen, und wird selten einer auf 500 Schritt fehlen. Die Weiber sind wohlgestalt, geistreich, fromm und höfflich, und nett gekleidet. Die Laster werden mit allem Ernst gestrafft, und ist die Trunckenheit allhier sehr wenig bekannt. Es sind allhier zu sehen die Bischöffliche Haupt-Kirche zu St. Peter, das Rathhaus, das Collegium der Academie, Bibliothec und eine berühmte Reitschule, welche von vielen Fremden besucht wird. Diese Republic ward vor einigen Jahren durch innerliche Unruhen gewaltig erschüttert, es ist aber durch Vermittelung des Königs in Franckreich und der beyden Cantonen Zürich und Bern 1738 die Ruhe völlig wieder hergestellet worden. Jn dem Wappen dieses freyen Staats erscheinet zur Rechten ein halber schwartzer Adler mit einer rothen Crone im güldenen Felde, und zur Lincken ein silberner Schlüssel im rothen Felde. Oben auf stehet eine offene Crone.