FeedBeschlagen
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Beschlagen, Dem Pferde die Huf-Eisen aufschlagen. Diese Arbeit soll ein guter Reuter dem Schmiede und Knechten nicht alleine überlassen, sondern selbst gute Acht darauf haben. Jnsonderheit soll man die jungen Füllen, sobald sie aus der Stuterey ausgefangen, und im Stall aufgestellet sind, wozu ein Alter von fünftehalb Jahren für die beste Zeit gehalten wird, mit aller Gelindigkeit, Sanftmuth und fein sachte zum Beschlagen gewöhnen, einen Fuß um den andern aufheben, mit einem Holtze oder Eisen gantz subtil und ie länger ie stärcker, nachdem sie es gerne leiden, auf den Huf klopfen, und wenn sie es dulden, ihnen schön thun, und ein wenig Gras vorgeben; daferne sie sich aber anfangs ungeberdig stellen, muß man Gedult haben, und sich mit dem Aufheben der Füsse begnügen, bis sie sich nach und nach darein ergeben, und das Beschlagen leiden. Man soll aber die jungen Pferde so lange als möglich absonderlich auf den hintern Füssen barfuß gehen lassen, weil ihnen die Hufe nur desto besser, breiter und runder davon werden, auch ihnen anfangs keine schwere Eisen aufschlagen. Darauf soll man ihnen in 4 oder 6 Wochen alle 4 Eisen abbrechen, und sehen, ob sie gleich auf den Hufen liegen: Jst dieses, werden die Eisen wieder auf- und die Nägel in die alten Löcher geschlagen; liegen solche aber uneben, muß durch das Auswircken alles geebnet, und das Eisen wieder gleich darauf gerichtet werden. Der Ballen oder die Ferse des Hufes muß wohl geöffnet bleiben, den Hufzwang zu verhüten; denn hat ein Pferd enge Fersen und einen hohen Huf, welches Esels-Huf genennet wird, müssen die Wände wohl nieder und bey den Fersen oder Strahlen mit dem Wirck-Messer weit ausgeschnitten werden, damit die Hufe niedrig und an den Fersen gelüfftet bleiben, daß das Leben wieder in die Füsse kommen kan. Die Eisen sollen einem ieden Pferde, wenn es schon vollhüfig ist, gleich eben und nicht hoch gerichtet werden, damit ihm die Wände fein starck und wohl wachsen können. Am vördern Fusse sollen die Eisen dem Horne gleich seyn, und ihm vor dem Hufe hinaus gehen, woferne nicht der Fuß vertreten oder zerbrochen wäre: Hinten an den Strahlen aber soll das Eisen mit beyden Stollen vorgehen, sie müssen aber nicht zu lang seyn, damit das Pferd mit den hintern Füssen nicht darein greiffe, auch nicht zu kurtz, daß es sich auf der Fersen nicht verbelle. Beym Beschlagen alter abgerichteter Pferde sind die Hüfe sowol aus-als inwendig durch Horn-Salben und Einschläge gut zu erhalten, damit sie nicht hart oder spißig werden, sondern fein gelind und zähe bleiben. Sonderlich ist ihnen allemahl 2 Tage vor dem Beschlagen mit Baum-Oel und Honig in Grösse einer welschen Nuß und ein wenig Kühmist mit hänfenem Werg einzuschlagen. Nach dem Beschlagen nimmt man Brantewein und ungelöschten Kalck, und schläget nicht öfter als zweymal damit ein, bis es wieder beschlagen wird. Das Beschlagen ist wenigstens in ein paar Monaten zu wiederholen. Vollhüfige Pferde müssen im abnehmenden, die aber, denen der Kern schwindet, im wachsenden Monden beschlagen werden. Jnsgemein beschlägt man die meisten Pferde im neuen Monde, damit ihnen der Kern wachse. Die Nägel müssen nicht zu schwach, auch nicht zu plumb, noch zu seichte seyn, weil diese leichtlich ausreissen; noch auch zu tieff eingeschlagen werden, weil man damit ein Pferd leicht vernageln kan.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 153–155Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

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