FeedPferde-Zucht
Sport & SpielRitter-Exercitien-Lexicon 1742

Pferde-Zucht, Will ein Land-Wirth, der unumgänglich bey seinem Gute einiger Zug- oder Acker- und Reit-Pferde benöthiget ist, dergleichen selbsten zichen, kan er solches leicht mit ein paar guten Mutter-Pferden und einem Hengst ins Werck setzen. Die Zeit der Zulassung muß bey den Zug-Pferden also eingerichtet werden, daß die Fohlen- oder Füllen-Zeit weder in die Erndte noch in einige Saam-Zeit einfalle, weil man da der Pferde gar nicht wohl entrathen kan, zumal auch ein trächtig Roß vor und nach der Füllen-Zeit mit schwerer Arbeit zu verschonen, auf daß die Frucht nicht etwan Schaden leide, und also eine nützliche Hoffnung zu Boden gehe. Es trägt aber ein Mutter-Pferd gemeiniglich eilff Monat und zehen Tage, fohlt iedoch auch bisweilen im zehenden Monat, die Fohlen aber, so im neunten Monat kommen, leben nicht lange; einige kommen auch erst zu Ende des zwölfften. Bey annahender Füllen-Zeit müssen die Stuten besser als sonst gefüttert werden, und wenn sie das Füllen bekommen haben, so giebt man ihnen einen laulichten Tranck, und läßt sie vor dem zwölfften Tag, nachdem sie gefohlet, nicht auf die Weide gehen. Ein Füllen kan man auch über ein Viertel Jahr lang saugen, und allmählig zum Grasfressen gewöhnen lassen, da es denn sehr gut, wenn die Füllen um oder gleich nach Ostern jung werden, so können sie den Sommer hindurch hübsch auf die Beine kommen. Und damit im ersten Jahre die Füllen nicht verbutten, lässet sie ein kluger Hauswirth an nichts Mangel leiden, und der Stuten, so lange das Füllen sauget, bessert man ebenfalls das Futter, und schonet sie indessen mit schwerer Arbeit, als wodurch dergleichen Pferde leicht verderbet werden können. Was sonsten beym Belegen der Stuten, bey deren Warte und Pflege, ingleichen bey denen Füllen und Wallachen zu beobachten, davon geschiehet seines Orts gehörige Meldung. Das Futter der Pferde betreffend, wollen sie solches als reinliche Thiere auch reinlich gehalten haben, damit die Mäuse, Spinnen oder ander Ungeziefer nicht darinnen nisten, oder solches bekriechen und beschmeissen, weil sie gar leicht darüber erkrancken und crepiren können.

Valentin Trichter, Curiöses Reit- Jagd- Fecht- Tantz- oder Ritter-Exercitien-LexiconLeipzig: Gleditsch 1742 · Sp. 1770–1771Text: Deutsches Textarchiv · CC BY-SA 4.0

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Sport & Spiel 6